Carsharing-Unternehmen gibt es inzwischen in allen deutschen Metropolen und darüber hinaus in über 200 kleineren Städten und Gemeinden. Trotzdem nehmen bisher erst knapp 50 000 Bundesbürger am Carsharing teil. Zwar wächst ihre Zahl seit zehn Jahren stetig an, doch angesichts der weit über 40 Millionen Pkw, von denen die meisten über 23 Stunden täglich am Straßenrand herumstehen, ist es doch überraschend, dass die faszinierende Idee in Deutschland bisher wirtschaftlich so wenig Erfolg hat. An der Zahl potenzieller Kunden kann dies jedenfalls nicht liegen. Selbst eine konservative Schätzung des Bundesverkehrsministeriums geht von 2,45 Millionen Autobesitzern aus, die fürs Carsharing gewonnen werden könnten. Eine Studie des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) kam sogar zu dem Ergebnis, dass über 7,3 Millionen Deutsche Interesse an "Teilzeit-Automobilen" haben. Hauptgrund für den minimalen wirtschaftlichen Erfolg, darüber sind sich alle Untersuchungen zum Thema Carsharing einig, ist das völlig unübersichtliche und oft wenig professionelle Angebot. Über 80 einzelne Carsharing-Anbieter gibt es in Deutschland, und fast jeder hat sein eigenes Tarif- und Buchungssystem, das oft noch aus den Anfangszeiten der Initiativen stammt. Aus ökologischen Gründen ist hier kein kundenfreundliches Angebot das Ziel, sondern eine möglichst geringe Autonutzung. Nur drei Unternehmen haben mehr als 100 Autos in ihrem Fuhrpark, alle anderen sind so klein, dass ihre Mitarbeiter zum Teil ehrenamtlich arbeiten müssen - mit den entsprechenden Abstrichen beim Service. Und ausgerechnet das größte deutsche Carsharing-Unternehmen, die Stattauto AG mit rund 9000 Mitgliedern in Berlin, Hamburg und Rostock, machte im vergangenen Jahr durch eine Beinahepleite von sich reden. Nur weil über 1000 Mitglieder ihre rückzahlbaren Einlagen in Höhe von insgesamt 1,1 Millionen Mark in eine Spende umwandelten, konnte die Stattauto AG noch einmal gerettet werden.

Ein Grund für die Kleinstaaterei beim Autoteilen liegt auch darin, dass das Konzept trotz der Verleihung des Blauen Engels für die "umweltfreundliche Verkehrsdienstleistung" bisher nie zentral vom Bund gefördert worden ist. So verhindern bis heute die uneinheitlichen Tarif- und Buchungssysteme, dass Carsharer von der im Prinzip vorhandenen Möglichkeit Gebrauch machen, Teil-Autos in anderen als ihren Heimatstädten zu nutzen. All dies soll sich demnächst allerdings gründlich ändern - und zwar ausgerechnet auf Initiative der Bahn.

Die hat dafür im April eigens eine Tochterfirma unter dem Namen DB Rent gegründet und mit Professor Andreas Knie einen ausgewiesenen Freund der Carsharing-Idee zu ihrem Geschäftsführer bestellt. Unter dem Namen Carsharing der Bahn will DB Rent schon in diesem Jahr in Berlin und Frankfurt/Main, bis Ende nächsten Jahres dann in allen deutschen Ballungsgebieten in Zusammenarbeit mit den bestehenden Carsharing-Unternehmen ein einheitliches Angebot für Bahncard-Inhaber machen. Die ersten Verträge stehen kurz vor der Unterzeichnung, und auch die Preise liegen schon fest: acht Mark pro Stunde für einen Kleinwagen, 12 Mark für die "Komfortklasse".

"Unser Vorbild ist die Schweiz", sagt DB Rent Geschäftsführer Knie. Dort ist die Verbindung von Bahn und Carsharing schon seit 1998 äußerst erfolgreich.

An fast allen Schweizer Bahnhöfen stehen inzwischen Carsharing-Autos, die von einem einzigen Unternehmen mit einheitlichem Service betreut werden. Und die Zahl der Nutzer ist in der kleinen Schweiz heute genauso groß wie in ganz Deutschland.