Der Titel von Steven Spielbergs neuem Film AI - Artificial Intelligence (AI - Künstliche Intelligenz) könnte den unschuldigen Zuschauer auf den Gedanken bringen, in diesem Film würde ihm eine Art Erforschung des Problems der Künstlichen Intelligenz mit den Mitteln der Science-Fiction vorgeführt.

Die Handlung verläuft folgendermaßen - oder eher Handlung Nummer eins, denn es sind gleich vier Filme in AI versteckt: In nicht allzu ferner Zukunft, wenn nach der Erderwärmung die Polkappen endgültig abgeschmolzen und die wichtigsten Küstenstädte der Welt - New York eingeschlossen - unter den Meeren verschwunden sind, ist das Leben für die Menschen kein wirkliches Vergnügen mehr. Es herrscht große Knappheit

darum ist es außerordentlich schwierig, eine Erlaubnis zum Kinderkriegen zu bekommen. Roboter indes gibt es zuhauf. Sie verrichten alle möglichen nützlichen Tätigkeiten. Eine Firma in New Jersey (wo sonst?) kommt auf die brillante Idee, einen Kinderroboter zu konstruieren, der sogar lieben kann.

Der Prototyp mit dem Namen David (Haley Joel Osment) wird einem Ehepaar zugesprochen, dessen eigener Sohn gerade tödlich erkrankt ist. Sein Körper ruht tiefgefroren in einem Labor und verweigert sich hartnäckig der Rückkehr ins Leben. David, obwohl "Mecha" - für "mechanisch" -, kommt als Ersatzsohn gut an. Monica (Frances O'Connor), seine "Orga"-Adoptivmutter - für "organisch" -, spricht die magischen Worte aus, die das Liebesprogramm aktivieren. Von diesem Augenblick an muss David sie ewig und unauslöschlich lieben.

Der Chip des Helden ist fortan auf die Liebe zur Mutter programmiert. Wie durch ein Wunder wird jedoch eines Tages der echte Sohn Martin wiederbelebt und teilt von da an das Familienleben mit David. Martin stellt sich als rechter Mistkerl heraus. Er tut alles, um David das Leben schwer zu machen.

Bis hierher sieht es noch so aus, als verfügte Spielberg über das Material für einen interessanten Film: ein Familiendrama mit klassischer Freudscher Geschwisterrivalität, bei der ein Bruder zufällig ein Roboter ist. Man sitzt also im Kinosessel und malt sich eine ganze Reihe dramatischer Möglichkeiten aus, wie es weitergehen könnte. Was beispielsweise passieren würde, wenn Martin sich zum Teenager entwickelt, während David in seinem Kinderkörper eingefroren bleibt, genauer: in seinem Programm verharrt.

Der arme Zuschauer wird es aber nie erfahren. Mutter Monica hat Angst vor David. Sie möchte ihn aber auch nicht der Vernichtung ausliefern - denn die würde ihm drohen, schickte sie ihn wieder zurück in die Fabrik. Also setzt sie ihn - zusammen mit einem sprechenden Teddy - im dunklen Wald aus. Von nun an muss David sich allein durchschlagen. Und jetzt beginnt der nächste Film.