die zeit: Herr Scholz, kaum im Amt, haben Sie die Polizeipräsenz rund um den Hauptbahnhof massiv erhöht und dort eine neue Wache eingerichtet.

Mutmaßlichen Drogendealern lassen Sie Brechmittel verabreichen, um verschluckte Rauschgiftpäckchen als Beweismittel zu sichern. Wollen Sie Ihren rechtspopulistischen Widersacher Ronald Schill verhindern, indem Sie ihm vorgreifen?

Olaf Scholz: Nein. Das neue Sicherheitskonzept für das Bahnhofsviertel ist eine Idee aus unseren Reihen, die mit Schill nichts zu tun hat. Man muss Bürgerängste ernst nehmen. Deswegen spreche ich auch nicht mehr, wie manche Politiker es noch immer tun, vom Unterschied zwischen tatsächlicher Bedrohung und Bedrohungsgefühl. Diesen Unterschied gibt es gewiss, aber er ist politisch irrelevant. Wenn Leute mir sagen, dass sie sich bedroht fühlen, und ich antworte, dass dies nur ein Gefühl sei, bekomme ich mit Recht zu hören: "Jetzt will der uns wieder einreden, dass unsere Ängste nicht zählen."

zeit: Sind Sie noch optimistisch, dass Sie nach der Wahl Innensenator bleiben?

Scholz: Durchaus. Ich fürchte Schill nicht. Der macht hysterische Versprechen. Das wissen die Wähler.

zeit: Auch potenzielle SPD-Wähler?

Scholz: Ja, sicher. Wir haben eine breite Basis von Traditionswählern, die Schill ablehnen. Schill holt seine Anhänger von der CDU. Unsere Wähler erkennen genau, dass Schills Wahnvorstellungen denen von Drogensüchtigen ähneln. Er putscht die Leute auf, damit sie hinterher noch härteren Stoff wollen. Er ist kein Liberaler.