Tatsächlich, Sie sind schwach positiv, sagt die Frauenärztin. Aber reden Sie besser die ersten Monate nicht darüber, es kann noch viel schief gehen ...

So oder ähnlich geht bei den meisten die Schwangerschaft los. Die Frauenärztin ahnt nicht, was sie mir da auferlegt. Ich habe noch nie etwas drei Monate geheim halten können, warum auch? Das sollen andere machen, deshalb bin ich schließlich nicht Journalistin geworden. Trotzdem beschließe ich, in diesem Fall eisern zu bleiben, und die Nächte werden von Stund an zur Qual. Ich kann auf Partys nicht mehr mithalten. Vielleicht liegt es an den abrupt geänderten Trinkgewohnheiten, vielleicht an den unberechenbaren Müdigkeitsattacken. Auch dass die Partyfummel schon nach zwei Wochen nicht mehr sitzen, kann meine Laune nicht verbessern. Ich mutiere zur dicklichen Langweilerin. Vor mir stets ein volles Alibi-Weinglas, das ich den ganzen Abend nicht leer trinken darf. Es dient nur dazu, die misstrauische Umgebung zu täuschen. Wer hat eigentlich behauptet, Schwangere hätten automatisch keine Lust mehr auf Longdrinks, Zigaretten und Leberpastete? Es ist eine Lüge. Was ich durchgemacht habe, ist kalter Entzug. Nur ohne Pychologen, der einem über die psychischen Folgen hinweghilft. Auch das Sozialleben beginnt zu leiden. Freunde gaben ein Sushi-Essen. Erst beim Hinsetzen fiel mir wieder ein, dass ich keinen rohen Fisch essen darf. Ich prokelte also die Fischstückchen herunter, verfütterte sie unter dem Tisch an die Katze und aß den ganzen Abend Reisklumpen mit Seetang. Dazu gab es Wasser. Es war trostlos. Hinzu kam, dass die Sache aufflog, weil die Katze irgendwann nicht mehr wollte und die Gastgeber zu Recht empört waren über den Fischhaufen unter meinem Stuhl. Wir Frauen werden getäuscht: Ganze Bibliotheken gibt es an Schwangerschaftsliteratur, aber niemand bereitet einen auf das Doppelleben vor, das man monatelang zu führen gezwungen ist. Ich bestellte meine Schwangerschaftsratgeber in weit entlegenen Buchläden und wagte mich nur mit Kopftuch und schwarzer Sonnenbrille in die Mama-Abteilung von H & M. Es ist unwürdig.

Und dann kam der furchtbare Tag, als ein Jungredakteur anmerkt, ich hätte bei der Moderation irgendwie schwanger ausgesehen. Es war alles umsonst. Hinter meinem Rücken machen sie schon Witze über mich. Ich muss es ihnen sagen. Dann kann ich endlich um 23 Uhr ins Bett gehen, ohne eine schwere Krankheit vorzutäuschen.

Die Autorin moderiert und leitet das TV-Magazin Polylux, jeden Montag um Mitternacht in der ARD