Der Countdown für den Frieden in Mazedonien läuft. Auf einen Stichtag der 30-tägigen Waffensammelaktion der Nato - das wäre der 26. September - will sich Generalsekretär George Robertson schon nicht mehr festlegen: "Wenn's ein paar Tage länger dauert", wird kein "General mit der Stoppuhr am Flughafen stehen". Aber eine längerfristige militärische Rolle für das Bündnis: Auf keinen Fall! Und so lautet das stete Mantra der Nato: Plan B findet nicht statt.

Das ist klug - und hoffentlich unwahr. Klug, weil eine Plan-B-Debatte immer auch riskiert, das Scheitern von Plan A herbeizureden. Klug auch, weil das Beharren auf A beiden Seiten sagt: Ihr müsst den Frieden selbst wollen.

Trotzdem kann man nur hoffen, dass die Existenz einer Alternativplanung nur aus taktischen Gründen verleugnet wird.

Denn ob Frieden oder Bürgerkrieg: Ein Rückzug kommt für die Nato so oder so nicht infrage. Skopje 2001 ist nicht Saigon 1975.

Die 4800 Waffensammler der Task Force Harvest könnten ausgeflogen werden.

Dann sind da aber noch die 3000 Soldaten der KFor Rear, die den Nachschub für die Nato-Operation im Kosovo organisieren. Sie müssen bleiben, denn alle anderen Versorgungsrouten in das Protektorat sind zu gefährlich, zu teuer, zu unpraktisch. Vor allem aber wäre ihr Abzug ein vernichtendes Signal: Der Westen gibt Mazedonien dem Bürgerkrieg preis. Das wäre Verrat an den Menschen und ein Ausverkauf der eigenen Ordnungspolitik auf dem Balkan.

Plan B müsste also lauten: Die Nato-Truppe bleibt da. Aber wozu? Immerhin, Mazedonien 2001 ist auch nicht Kosovo 1999. Damals ging es darum, eine vom eigenen Staat misshandelte Minderheit vor der Vernichtung zu retten. Hier hingegen hat sich eine demokratische Regierung darauf eingelassen, der Minderheit mehr Rechte zu geben. Beide gilt es nun vor den Kriegstreibern zu bewahren.