Er machte Swatch, Alessi und Alchimia groß - und die abertausend Pünktchen in seinen berühmten pointillistischen Musterentwürfen möglichst klein: Alessandro Mendini, Designer, Architekt, Künstler, Journalist und Theoretiker all dieser Branchen. Das Westfälische Landesmuseum in Münster ehrt nun den 70-Jährigen mit einer großen Werkschau (bis zum 21. Oktober). Vom konfettibunten Fernsehsessel über die heiteren Konsumtempel der Swatch-Shops bis zum postmodernistisch verspielten Groninger Museum: Mendinis Modelle feiern ein Fest des Dekors und laden den Kitsch ein zu glanzvollen Auftritten, denn der galt dem Maestro als das einzig repräsentative Äquivalent unserer bürgerlichen Gesellschaft. Ein Denker im Designerpelz also, dem als Redakteur von Casabella, Modo und domus die Rhetorik als Sprachdesign von Anfang an vertraut war. Neben all den Sitzmöbeln, Korkenziehern und Wasserkesseln reizt die Ausstellung vor allem durch den vergleichenden Blick auf die Architektur. Der Optimismus der Postmoderne, ihre eklektizistische Bauklötzchen-Ästhetik, die das Modulprinzip industrieller Fertigung zum Stilprinzip erhob, um es endgültig zu überwinden, ist heute längst dem Trivialen gewichen. Vorbei die Idee, dass man sich mit Stilen ganz locker auch Welt aneignen konnte. Was auch immer Mendini in Sachen Architektur, Kunst und Design angerichtet hat - einrichten möchte man sich so eigentlich nicht. Aber wer so denkt, hat nichts verstanden.