Arme Familien? Alle Parteien versprechen mehr Geld für Eltern und ihre Kinder, doch Zahlen über die tatsächliche Umverteilung zwischen Singles und Kinderreichen gab es bislang kaum. Vage heißt es im jüngsten Familienbericht der Bundesregierung, "Familien und Kinder" dürften "bestenfalls in Zeiten der Prosperität auf Berücksichtigung hoffen". Eine neue Untersuchung des Instituts für Weltwirtschaft in Kiel führt erstmals auf, welche Leistungen der Staat und die Arbeitgeber für Familien finanzieren - und kommt zu einem überraschenden Ergebnis: Fast die Hälfte der durchschnittlichen Ausgaben für ein Kind trägt demnach die öffentliche Hand. 321 Milliarden Mark an Familienleistungen kommen allein im Jahr 2001 zusammen, 317 Milliarden davon zahlt der Staat. Zum Vergleich: Der Bundeshaushalt 2001 hat ein Volumen von 477 Milliarden Mark.

Akribisch haben die Wissenschaftler Haushaltsposten zusammengetragen, von denen in der Familiendebatte selten die Rede ist: Das Baukindergeld etwa, das sich auf immerhin 6,5 Milliarden Mark Belastung für den Bundeshaushalt summiert. Oder die Besoldungszuschläge für Eltern im öffentlichen Dienst, die den Staat in diesem Jahr 14,3 Milliarden Mark kosten. Über einige Positionen in der Kieler Liste lässt sich streiten: So werden 48,7 Milliarden Mark an Steuerausfällen durch das Ehegattensplitting mitgezählt, obwohl davon auch Kinderlose profitieren. Auch 90,2 Milliarden Mark für Schulen sind im engeren Sinne kein Instrument der Familienpolitik. Doch andere Ausgaben haben die Experten eher zurückhaltend geschätzt. Fazit: In der Familiendebatte darf nicht nur über neue Ausgaben gestritten werden - es muss auch darum gehen, das ohnehin verteilte Geld sinnvoller zu bündeln. Elisabeth Niejahr