Recht haben und Recht bekommen sind zwei völlig unterschiedliche Dinge.

Ein Gerichtsurteil ist zunächst einmal nur ein Stück Papier - das Problem besteht meist darin, es durchzusetzen. Denn wer nichts hat, von dem können Gläubiger auch mit dem günstigsten Urteil nichts bekommen. Betroffen sind alle, die andere auf Zahlung verklagen: Schreiner, die ihren Lohn für maßgefertigte Küchen nicht bekommen

Vermieter, die vergeblich auf ihre Miete warten

Banken, deren Kunden die Raten für den Kleinkredit nicht zahlen.

Demnächst könnte es für Gläubiger noch schwieriger werden, ihr Geld von zahlungsunwilligen privaten Schuldnern zurückzuerhalten: Die Bundesregierung will die so genannten Pfändungsfreibeträge drastisch anheben - und damit die Möglichkeit begrenzen, einen Teil des regelmäßigen Arbeitseinkommens der Schuldner zu pfänden. Dabei ist diese Variante der Zwangsvollstreckung äußerst effektiv: Kein Gerichtsvollzieher kommt mehr ins Haus, klebt einen Kuckuck auf den Familienschmuck und lässt diesen anschließend versteigern.

Stattdessen wird dem Gläubiger durch den Arbeitgeber des Schuldners automatisch ein Teil dessen überwiesen, was Letzterer monatlich verdient.

Allerdings - so garantiert es die Verfassung - muss davon so viel übrig bleiben, dass ein menschenwürdiges Leben möglich ist. Die Pfändungsfreibeträge bestimmen, wo diese Grenze liegt: bei Alleinstehenden beispielsweise bei 1209 Mark netto im Monat. Noch. Vom nächsten Jahr an sollen es 1800 Mark sein. In diesem Monat will der Bundestag über die Gesetzesänderung beraten.