Heute, Mittwoch, um 9 Uhr will Gerhard Schröder eine Regierungserklärung zu den Terrorschlägen abgeben. Er sagte bis auf weiteres alle geplanten Reisen ab, darunter auch seine Teilnahme am Stockholmer Treffen von Mitte-Links-Regierungschefs aus aller Welt.

In Berlin gilt die Sicherheitsstufe eins. Der Luftraum über der Bundesrepublik werde hingegen wie stets überwacht, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Berlin. Personalverstärkungen gebe es nicht. Nach den Ereignissen in den USA würden die Fluglotsen aber besonders sensibel auf unklare Flugbewegungen achten, sagte er. Wenn Flugzeuge mit "unklaren Absichten" festgestellt würden, gebe es einen klaren Reaktionsmechanismus. Dieser reiche bis zum Abfangen der Maschinen durch die Luftwaffe. Vor allem die Sicherheitsvorkehrungen für Einrichtungen der USA und Israels sowie auf den Flughäfen werden verschärft. Bei der Bundeswehr wurden zunächst keine Sondermaßnahmen ergriffen. "Die Bedrohungslage ist nicht so, dass wir dies tun müssten", hieß es aus dem Verteidigungsministerium.

Die Flaggen aller öffentlichen Gebäude wehen auf Halbmast. Schock und Ratlosigkeit prägen die Stimmung im Bundestag. FDP-Fraktionschef Wolfgang Gerhardt erklärte, an diesem Tag spürten freiheitliche Gesellschaften, welchen Bedrohungen sie ausgesetzt seien. Die CDU-Vorsitzende Angela Merkel sprach von einem "Anschlag auf die Freiheit". "Es ist wichtig, dass alle, die in der Bundesrepublik für die Sicherheit verantwortlich sind - an der Spitze der Bundeskanzler - jetzt wissen, was zu tun ist, und sie tun es auch", sagte Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin (SPD), kurz bevor sie in die Sitzung des Bundessicherheitsrats eilte. Verteidigungsminister Rudolf Scharping schrieb an seinen US-Kollegen Donald Rumsfeld, es bleibe die gemeinsame Aufgabe, "dass die demokratischen Nationen bei der Bekämpfung des weltweiten Terrorismus weiterhin eng zusammenarbeiten müssen". Auch Bundestagspräsident Wolfgang Thierse sprach sein Mitgefühl aus. Über alle Fraktionsgrenzen hinweg herrscht Einigkeit: Jetzt müsse man zusammenhalten und Solidarität mit dem amerikanischen Volk zeigen. Auch Bundespräsident Johannes Rau und Außenminister Joschka Fischer reagierten entsetzt auf die Anschlagsserie, die Tausenden von Menschen das Leben kostete.