Noch immer ist unklar, wer hinter den Terroranschlägen steht. Bislang gibt es nur Vermutungen. Als Drahtzieher verdächtigt der US-Geheimdienst jedoch den Moslem-Extremisten Osama bin Laden. Bin Laden lebt in Afghanistan und wurde von den USA 1998 zum meistgesuchten Mann erklärt. Damals hatte er die Anschläge auf die amerikanischen Botschaften in Kenia und Tansania organisiert. Damit hatte er bewiesen, dass er in seinem Kampf gegen Amerika zu allen Mitteln bereit ist. Seine Kriegserklärungen gegen die USA soll er nach Aussagen eines britischen Journalisten auch jüngst noch einmal wiederholt haben.

Gleichzeitig distanzierten sich alle palästinensischen Organisationen - unabhängig davon, mit welcher Radikalität sie bislang ihre Ziele verfolgt haben - von den barbarischen Anschlägen. Auch die arabische Liga schloss sich der Verurteilung der Anschläge an. Palästinenserchef Arafat selbst sagte: "Ich habe Anteilnahme. Ich möchte dem amerikanischen Volk mein Beileid aussprechen und das Beileid des palästinensischen Volkes." Zwar feierten zur gleichen Zeit Hunderte Araber auf Israels Straßen den Anschlag gegen die westliche Welt, sie sollen jedoch keiner Organisation angehören.

Bush erklärte in einer kurzen Ansprache, alle Maßnahmen seien getroffen, mit dieser Situation umzugehen. Es sei alles dafür vorbereitet, Amerika und die Amerikaner zu verteidigen. "Der Zusammenhalt unserer Nation wird durch diese Situation getestet", sagte Bush. Die Täter würden gejagt werden. Ausdrücklich schloss Bush dabei auch jene Regierungen ein, die den Terroristen Hilfe und Unterstützung geboten hätten. Mit Vergeltungsanschlägen durch die Amerikaner ist zu rechnen.

Ein Vertreter der radikal-islamischen Taliban, die in Afghanistan herrschen, sagte in einer Ansprache im afghanischen Fernsehen, bin Laden sei gar nicht in der Lage gewesen, diese Anschläge zu planen und durchzuführen. Sie müssten seit Jahren genau vorbereitet worden sein. Auch verneinte er, dass die Taliban bin Laden unterstützt haben. Überraschend bot das Regime heute sogar an, mit den USA über das Schicksal von bin Laden und seine mögliche Auslieferung verhandeln zu wollen. “Wir sind bereit, mit den Vereinigten Staaten über das Schicksal von Osama bin Laden zu verhandeln, aber die USA müssen uns zuerst genügend Beweise gegen ihn übergeben", sagte der Taliban-Botschafter in Pakistan.

In der Nacht zum Mittwoch erschütterten mehrere Explosionen die afghanische Hauptstadt Kabul. Die Ursache dafür ist noch unbekannt. Das Pentagon dementierte sofort, für diese Anschläge verantwortlich zu sein. Nach Angaben der privaten afghanischen Nachrichtenagentur wurde der Angriff von der oppositionellen afghanischen Nordallianz verübt.

Reaktionen in und aus Deutschland

Deutschland steht nach den Terroranschlägen in den USA mit uneingeschränkter Solidarität an der Seite Amerikas. Alle Parteien des Bundestags versicherten am Mittwoch den Angehörigen der Opfer und der amerikanischen Regierung ihre Unterstützung im Kampf gegen den Terrorismus. "Die Menschen Deutschlands stehen in dieser schweren Stunde fest an der Seite Amerikas", sagte Bundeskanzler Gerhard Schröder heute morgen in einer Regierungserklärung im Parlament. Darin seien sich die Politiker aller Parteien einig.