Professor Brügelmann von der Universität Siegen: "Alle, die über die Lehrerausbildung im Moment klagen, klagen darüber, dass die Studierenden zu wenig oder zu spät auf die Probleme in der Schule vorbereitet werden. Das sind keine fachlichen Probleme, sondern Probleme didaktischer oder pädagogischer Art. Es ist fatal, wenn Studierende erst nach drei Jahren mit den Fragen aus dem Schulalltag konfrontiert werden." Durch das Bacherlor- und Master- Modell ist es den Studierenden nach dem Studium des Unterrichtsfaches immer noch möglich, eine andere Laufbahn als die der Lehrerausbildung anzustreben. Doch Brügelmann sieht in diesem Argument keine qualitative Verbesserung. "Der Ausnahmefall wird hier zum zentralen Argument, zum Prinzip gemacht."

Der Protest geht quer durch die Institutionen und Gruppen. "Inhaltlich besteht Widerstand gegen das neue Modell. Im Moment schließen die Hochschulen Verträge mit den Ministerium, daher machen sie sich Sorgen über ihre weitere Entwicklung. Dass negative Auswirkung bei der Zuweisung von Mitteln oder Genehmigung von Studiengängen auf sie zukommen könnte, wenn sie sich nicht darauf einlassen." Die Protestler sind mit der derzeitigen Lehrerausbildung grundsätzlich unzufrieden. Das Ministerium selber habe schon vor Jahren eine Arbeitsgruppe mit renommierten Fachleuten eingerichtet, die ein neues Konzept entwickelte. Dieses Konzept wurde auf Eis gelegt, da der politische Schwenk stattgefunden habe.

Brügelmann empfiehlt, die Erstsemestler ganz früh in die Schulen zu schicken. Aus der Lehrerperspektive sollen sie so bald als möglich den Alltag kennen lernen. Die Hochschulen müssen die Praktika der Studierenden mehr begleiten und besprechen. Und die Fragen, die sich daraus ergeben für die Hochschulausbildung umzusetzen.

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