Sterzing: Schönen guten Morgen Frau Ensminger.

Ensminger: Herr Sterzing, was waren denn zunächst einmal Ihre ersten Gedanken, als Sie von dem Angriff hörten, vielleicht sogar die Bilder direkt im Fernsehen gesehen haben?

Sterzing: Es ist eine vollkommen neue Dimension der Bedrohung. Die alten Kategorien zur Beurteilung reichen nicht aus. Wir sind in einer historisch einmaligen, erstmaligen Situation und haben dafür natürlich auch nur ein begrenztes Instrumentarium bereit, um darauf zu reagieren.

Ensminger: Was heißt das denn dann konkret? Muss man dieses Instrumentarium ausbauen, wie es vielleicht jetzt mit dem NATO-Beschluss passiert ist?

Sterzing: Wir erleben natürlich bei der Diskussion, ob das nun der Bündnisfall ist oder nicht, die Fragestellung: ist das hier nun ein Krieg, der dort angefangen hat. Es ist ja dieses Bild von der Kriegserklärung in den letzten Tagen häufig genannt worden. Ich glaube der erste Weltkrieg - daran kann man in diesem Zusammenhang erinnern - ist mit einem Schuss in Sarajevo ausgelöst worden. Hier beginnt ein Gewaltakt mit Tausenden von Toten, eine vollkommen andere Dimension, und trotzdem ist es natürlich nicht das, was man sich herkömmlich unter einem Krieg oder der Eröffnungshandlung eines Krieges vorstellt.

Ensminger: Könnte das trotzdem der Beginn eines Krieges sein?

Sterzing: Es ist nicht der Krieg, den wir uns herkömmlich vorstellen, ein Krieg zwischen Staaten, der auf einem Territorium, möglicherweise um ein Territorium ausgefochten wird, sondern hier ist es ja eine vollkommen neue Bedrohung einer wie auch immer gearteten Terrorgruppe - wir wissen es ja noch nicht genau -, die nicht unmittelbar mit einem Staat zusammenhängt, ganz offensichtlich aber irgendwo Unterschlupf erhält. All dies sind vollkommen neue Fragen.