11. September 2001, 16.00 Uhr

Unsere 16-jährige Tochter ist heute zu ihrem ersten Highschool-Tag aufgebrochen. Zum ersten Mal in ihrem Leben fuhr sie mit der U-Bahn von Brooklyn nach Manhattan - allein.

Sie wird heute abend nicht nach Hause kommen. Die Subway hat ihren Verkehr eingestellt. Meine Frau und ich haben dafür gesorgt, dass sie bei Freunden in der Upper Westside von New York übernachten kann.

Weniger als eine Stunde nachdem sie tief unter dem World Trade Center Richtung Schule gefahren war, stürzten die beiden gigantischen Türme in sich zusammen.

Vom oberen Stockwerk unserer Wohnung in Brooklyn sehen wir, über den East River hinweg, wie die Rauchwolken den Himmel über der City verdunkeln. Der Wind bläst in unsere Richtung und der Geruch des Feuers durchdringt alle Zimmer unseres Hauses. Es ist ein schrecklicher, beißender Geruch von brennenden Isolierschläuchen, von Kunststoff und Baumaterialien.

Die Schwester meiner Frau, die in Tribeca lebt, nur wenige Blocks nördlich jenes Ortes, an dem das World Trade Center stand, rief uns an und erzählte von einem schrecklichen Schrei auf der Straße, und dann stürzte der erste Turm nieder. Andere Freunde, die in der John Street wohnen, erzählten uns, dass die Polizei sie aus ihrem Haus herausholte, nachdem eine Druckwelle ihre Haustür nach innen geschleudert hatte. Sie gingen Richtung Norden, durch Trümmer und Überreste menschlicher Körper.

Nachdem wir den ganzen Morgen vor dem Fernsehapparat gesessen hatten, verließen meine Frau und ich die Wohnung. Die Leute auf der Straße hielten Taschentücher vor ihr Gesicht, andere trugen Schutzmasken wie Maler und Chirurgen. Ich blieb stehen und redete mit dem Mann, der meine Haare schneidet. Er sah verzweifelt aus. Wenige Stunden vorher hatte seine Nachbarin, die neben seinem Laden ein Antiquitätengeschäft betreibt, mit ihrem Schwiegersohn telefoniert, der im 107. Stockwerk des World Trade Centers in der Falle saß. Nur eine Stunde danach war der Turm in sich zusammengesunken.