Mit Hilfe eines speziellen Überwachungsprogramms ließen sich Millionen von E-Mails binnen Minuten filtern. Carnivore heißt das System, das das FBI entwickelt hat und auf den Namen "Fleischfresser" taufte, weil es das "Fleisch" aus der Datenflut klaubt. Das FBI würde dazu einen Computer an die Server eines Providers anschließen und die Header aller ein- und ausgehenden Mails nach dem Namen eines Verdächtigen, der als Empfänger oder Absender auftaucht, durchsuchen. Bereits drei Stunden nach dem Attentat auf das World Trade Center sollen Beamte der amerikanischen Bundespolizei bei Internetprovidern aufgetaucht sein, um Carnivore zu installieren.

Die Online-Dienste AOL und Earthlink haben in öffentlichen Stellungnahmen am Donnerstag eingeräumt, dass sie mit der Polizei zusammenarbeiten. So sagte ein AOL-Sprecher: "Wir kooperieren mit dem FBI in den laufenden Ermittlungen." Gleichzeitig dementierte er jedoch, dass AOL die Installation von Carnivore erlaubt habe.

Das Überwachungssystem ist sehr umstritten, weil die Technik auch zu einer immer umfassenderen Überwachung des Bürgers missbraucht werden kann. Zudem soll das FBI die Öffentlichkeit falsch über die Leistungen von Carnivore unterrichtet haben. Bürgerrechtsorganisationen und Provider hatten in der Vergangenheit kritisiert, dass man beim Einsatz von Carnivore letztlich dem FBI trauen müsse, dass nur das abgehört wird, was im Rahmen des Gesetzes abgehört werden darf. Kontrollieren könne man es nicht. Das verstoße gegen die Verfassung.

Fest steht aber auch, dass sich in der augenblicklichen Lage kaum ein Internet-Provider gegen die Installation von Carnivore wehren kann. Manche mögen befürchten, dass dies nun der richtige Zeitpunkt für die Behörden sei, um das Überwachungssystem flächendeckend einzuführen.

Auch wenn die Geheimdienste seit längerem davor warnen, dass Terroristen das Internet verstärkt nutzen, um sich untereinander zu besprechen - noch steht nicht fest, ob sie es auch für die Planung dieser verheerenden Anschläge getan haben. Vor allem aber: Die Täter waren klug und technisch perfekt ausgebildet. Sie konnten ein Flugzeug mit tödlicher Sicherheit in ihr Ziel lenken. Man kann also davon auszugehen, dass sie mit den technischen Alternativen vertraut waren, um ihre E-Mail-Botschaften unbelauscht über das Internet zu verschicken. So können mit Verschlüsselungssoftware wie dem Kryptographie-Programm Pretty Good Privacy (PGP) Nachrichten wirksam vor einer Überwachung verborgen werden. Die amerikanische Regierung hat versucht, die Verbreitung von PGP zu verhindern, aber auf vielen Servern liegt die Software zum freien Herunterladen.

Zwar lassen sich auch hart verschlüsselte Botschaften enträtseln. Doch allein zu versuchen, das Passwort durch Ausprobieren aller denkbaren Kombinationen zu knacken, würde Monate dauern - wenn man die leistungsstärksten Dechiffrier-Rechner einsetzt.

Eine ganz legale Möglichkeit, eine Nachricht unabhörbar zu machen, ist die Steganographie. Dabei wird die geheimzuhaltende Botschaft in einem scheinbar harmlosen Dokument versteckt wie einer Bild- oder Tondatei. Täglich werden unzählige solcher Dateien verschickt. Diese Masse abzufangen und auszuwerten, ist schlicht unmöglich.