Kissinger: Guten Morgen.

Ensminger: Herr Kissinger, was fühlen Sie denn, wenn Sie an die Geschehnisse der vergangenen beiden Tage denken?

Kissinger: Niemand hat erwartet, dass so etwas möglich sei. Deshalb hat man sich auch gegen diese Art Angriffe nicht genügend vorbereitet, weil man sich das einfach nicht vorstellen konnte. So ist ein gewisses Entsetzen dabei, aber vor allen Dingen eine Entscheidung, dass man jetzt, nachdem dieser Kampf so aufgenommen wurde, ihn gewinnen muss und gewinnen wird.

Ensminger: Sie haben eben gesagt, man konnte damit nicht rechnen. Die Flugzeuge konnten nun ungehindert nach New York und Washington gelangen. Das lässt vielleicht auch auf ein Versagen der Geheimdienste schließen. Würden Sie das auch so sehen?

Kissinger: Geheimdienste können nur nach den Dingen suchen, an die sie glauben. Man hat immer erwartet, dass Bomben in Gebäude gebracht werden, in Koffern und vielleicht in Fahrzeugen, aber der Gedanke, dass gekaperte Flugzeuge selbst in Bomben verwandelt werden würden, diesen Gedanken habe ich noch nie gehört. Ich glaube nicht, dass man sich darauf sehr vorbereitet hatte.

Ensminger: Das heißt die Geheimdienste waren vielleicht ein wenig nachlässig?

Kissinger: Ich glaube in den zehn Jahren des Friedens nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion Ende des Kalten Krieges ist man etwas nachlässig geworden.