Kommunalwahlen in Niedersachen: Hannover hat Pantoffeln gewählt. Glückwunsch in die Norddeutsche Tiefebene! Bei dem Wetter taugen Pumps sowieso nichts. Hamburg wird demnächst wie üblich sich selbst wählen. Dass der wieder kandidierende Bürgermeister mit Sandalen auf die Welt kam, weist ihn als berechenbar aus. Im hanseatischen Import-Export-Kosmos gilt Berechenbarkeit als positiver politischer Deckungsbeitrag. Rot oder Schwarz, ganz egal. Hamburg ist das politische Talentreservoir der Republik. Henning Voscherau, auch mal Bürgermeister an der Elbe, könnte bald Verteidigungsminister werden. Sein Vorgänger Hans-Ulrich Klose malt, schreibt Gedichte und steht als Nachfolger für Verteidigungsminister Voscherau zur Verfügung. Außerdem bildet die Stadt im Wahlkampf den zukünftigen bayerischen Innenminister aus, einen durchgeknallten Richter namens Schill. Ihm schwebt die Auslagerung aller Afrikaner in ein Land ihrer Wahl vor.

Und Berlin? Berlin übt immer noch Hauptstadt. Es geht voran. Da ist zum Beispiel Franz-Xaver Ohnesorg, der neue Intendant der Berliner Philharmoniker. Nachdem er in New York die Carnegie Hall zur Zufriedenheit aller Mitarbeiter auf Weltniveau gebracht hat, bietet er seine personality der innerlich schüchternen Metropole an. Am vorigen Sonntag präsentierte der Hausmeister des Scharoun-Tempels dem Bundespräsidenten, dem Kanzler und der üblichen Prominenz - Diepgen! Reich-Ranicki! Angela Merkel! - das Chicago Symphony Orchestra, das zur Eröffnung des Jüdischen Museums eingeflogen war. Seine deutsch-jüdische Geschichte und dann auch noch Mahler (war doch einer von uns, irgendwie) und der göttliche Barenboim. Ist das nicht toll? Da stand er, FXO, wie ihn seine Freunde nennen: ein bisschen Conférencier aus Prüm in der Eifel und doch auch schon New York, rein körpersprachlich gesehen. Spielbein vor, Spielbein zurück, politisch korrekt, Englisch für die verdutzten Musikanten, die Rede sehr flüssig, fast überflüssig: ein neuer Stern am Berliner Firmament, hätte es an jenem Festtag nicht so furchtbar geregnet. Neben ihm stand der eigentliche Gastgeber, Museumsdirektor Michael Blumenthal, der auch was sagen wollte. Geduld! FXO ist der neue Berliner. Right on, man! Gysi hat Konkurrenz bekommen. Aber der redet jetzt öfter in Hamburg, am 4. Oktober stellt er in der Staatsoper Beethovens Neunte vor. Wir kommen darauf zurück. Glückwunsch noch einmal, ihr Pantoffelträger in Hannover.