DIE ZEIT: Frau Künast, die Aufregung über BSE ist passé, die Verbraucher kaufen wieder gerne Rindfleisch. Bleiben Sie trotzdem dabei, die Agrarwende vor allem "von der Ladentheke her" organisieren zu wollen?

Renate Künast: Ich habe mir nie eingebildet, dass die Verbraucher permanent in einer solchen Turbo-Aufregung leben werden wie zu Beginn der BSE-Krise. Deshalb ist der Staat gefragt - aber eben nicht allein. Denken Sie an die USA, wo die Verbraucherschutzbewegung mit Ralph Nader eine personifizierte Speerspitze hat. Bei uns dagegen wird der Verbraucherschutz noch viel zu sehr verwaltet. Ich will die Verbraucher in die Lage versetzen, bewusste Entscheidungen treffen zu können. Dafür brauchen sie an der Ladentheke Transparenz und Wahlfreiheit. Die will ich ihnen verschaffen.

ZEIT: Wünschen Sie sich einen deutschen Ralph Nader?

ZEIT: Ich hoffe tatsächlich auf eine Verbraucherbewegung - auf aktive Bürger ...

ZEIT: ... die den Unternehmen Dampf machen, so wie Greenpeace den Ölmulti Shell bei der Brent Spar-Affäre unter Druck gesetzt hat?

Künast: Ich zumindest wüsste genau, was ich zu tun hätte, wenn ich nicht Ministerin wäre. Es gibt dermaßen viele Lobbygruppen - warum soll es keine Verbraucherlobby geben?

ZEIT: Immerhin gibt es Verbraucherverbände und die Stiftung Warentest.