Wie anfangen, um die eigenen Gefühle angesichts des bodenlosen Verbrechens zu benennen? Trauer, Wut, Rache? Es spielt keine Rolle, wie weit entfernt man sich von der Katastrophe befindet - man ist im Innersten getroffen. Während die Nachrichten aus New York und Washington um die Welt liefen, fühlten Millionen, wenn nicht Milliarden von Menschen, wie Hass und Gewalt in ihr Leben eindrangen. Unsere Gewissheit, in Sicherheit zu leben, löst sich angesichts solcher Bilder auf.

Willkürliche Missachtung menschlichen Lebens ist die Hauptwaffe des Terrorismus. Unsicherheit und Desorientierung, die aus der Zerstörung anerkannter Werte gesellschaftlichen Zusammenlebens resultieren können, kalkuliert er ein. Auf die Verwirrung, die aus solcher Unsicherheit erwächst, baut Terrorismus auf. Die Selbstbestimmung, den freien Willen seiner Opfer, will er unterminieren. Um politische Systeme oder Weltanschauungen zu zerstören, schürt er Hass.

Das Ausmaß der Angriffe auf die Vereinigten Staaten ist so außerordentlich, dass nichts mehr so bleiben wird, wie es war. Der Zorn des Landes ist verständlich. Wer solche Verbrechen begeht, muss gefunden und bestraft werden. Politische Systeme, die derlei Handlungen unterstützen, sind als Feinde aller zivilisierten Menschen - egal welcher Nation und Religion - zu betrachten.

Es wird Monate dauern, um alle möglichen Schlussfolgerungen zu ziehen. Hass ist keine Antwort - Beschwichtigungspolitik aber auch nicht. Für die Gemeinschaft aller anständigen Nationen wird es höchste Zeit, sich einige ernsthafte Fragen über die Zukunft zu stellen.

Der Autor war von 1997 bis 2001 Botschafter der Vereinigten Staaten in Bonn und Berlin