In den Studios blüht die Kochkultur, TV-Lebenshilfe am Herd. Es gibt inzwischen mehr Löffelshows als Sender. Zwischen Himmel und Erde, zwischen Jogurt und Lollis wird aufgegabelt, gequirlt und serviert. Mein Kollege Alfred Biolek kocht wie von einem anderen Stern. Schon im Vormittagsprogramm schnippelt, brät und brutzelt das deutsche Fernsehen. Schweinsbraten und Saumagen ade, die Deutschen sind ein Volk von kreativen Kochmützen. Meine Lieblingssendung ist das "Koch-Duell" mit Britta von Lojewski. Übrigens die erfolgreichste Sendung des fast vergessenen Senders Vox. Da sitzen wir Fernsehzuschauer quasi mit auf der Herdplatte. Zwei Köche haben 15 Minuten Zeit. Zutaten sind vorgegeben und harmonieren so gut wie Schokolade mit Knoblauch. Wenn's um die Quote geht, sind die Geschmacksnerven bestechlich und manchmal taub. Armer Gourmet.

Vor ein paar Tagen hatte ich allerdings einen Traum: Günter Struve, der ARD-Programmdirektor, erschien mir mit Kochmütze, Kochlöffeln und einer wahnwitzigen Programmidee. Ich solle eine neue Kochshow moderieren. Titel: "Reinissimo". Ich habe zugesagt. Auch das Programm steht schon. In der ersten Sendung halte ich eine Ode auf die "Butterbomme", auf die Rückkehr des guten alten Butterbrotes. Ich lernte es als kleiner Steppke in Häppchen kennen. Wenn ich alle verputzt hatte, wurde ich gelobt. Die Stulle und ich wurden deshalb schnell Freunde. Später traf ich sie wieder, und dann hieß sie Pausenbrot. Meine Mutter packte es immer in eine Aludose und legte meistens noch einen Apfel dazu. Niemals durfte ich mit der vollen Dose wieder nach Hause kommen. Und heute: Keine Kochsendung schwärmt von frisch gestrichenen Bauernbrotscheiben mit herzhaften Schinkenstreifen an deutscher Markenbutter im Brotdosenbett. Das müssen wir den TV-Köchen in aller Bescheidenheit doch mal aufs Butterbrot schmieren. Also, Frau Gesundheitsministerin: Wo bleibt die PR-Kampagne "Butterbrot statt Burger"? Im Land der tausend Brotsorten würde das eine breite Volksbewegung. Kampagnenstart wäre der 21. 9. in Berlin. Da soll am Ostbahnhof die größte Stulle der Welt geschmiert werden, 18 knusprige Quadratmeter Brot, fürs Guinness-Buch. Und ich soll die Garnitur sein. Von wegen: Lieber schmier ich euch eine!