Wir fahren mit der Straßenbahn hinaus nach Belém. Dort hatte sich Vasco da Gama eingeschifft, um den Seeweg nach Indien zu suchen. Am Tejo-Ufer ließ König Manuel später den Grundstein für das Hieronymitenkloster legen. "Und aus diesem Kloster stammt das Originalrezept für die pasteis de nata", erzählt Maria. Wie indes José Vicente da Silva Pinto an dieses Rezept gelangte, kann heute niemand mehr sagen. Jedenfalls eröffnete er 1837 nur ein paar Schritte von dem imposanten Konvent entfernt seine Antiga Confeitaria de Belém - und buk dort die gehaltvollen Rahmtörtchen erstmals in großen Mengen. Vier Jahrzehnte später erhielt sein Nachfolger Domingos Rafael Alves ein notariell beglaubigtes Dokument mit der Rezeptur. Bis heute wird ihr Geheimnis gehütet. Lissabonner wie Touristen kommen täglich in Scharen, um am verschnörkelten Tresen oder in einem der drei amit Azulejos geschmückten Kaffeehausräume der Antiga Confeitaria de Belém die frischen, warmen pasteis de Belém direkt aus der Backstube zu goutieren.

Es ist aber auch Tradition, sie als Dessert mit nach Hause zu nehmen. In feine, weiß-blaue Faltschachteln verpackt. So eine schön bedruckte Kartonage habe ich dir füllen lassen mit den zugleich krossen und zarten goldenen Kalorienbömbchen. Maria hat mir verraten, dass du sie am besten ein wenig in den Ofen schiebst vor dem Verzehren. Und unbedingt einen Hauch Zimtzucker drüberstreuen.