"Die Welt im Schock und im Alarmzustand", titelt die "Frankfurter Rundschau". Die anderen Blätter widmen sich auf der Eins der Frage nach den Tätern: "Suche nach dem Bösen", heißt es bei der "tageszeitung". Die Geheimdienste der westlichen Staaten vermuten, dass Osama bin Laden hinter den Attacken steckt, was die "Süddeutsche Zeitung" aufgreift: "Bin Laden im Visier der Amerikaner", während die "Welt" den Beschluss des kollektiven Verteidigungsfalls der Nato auf die Titelseite hebt: "Nato erklärt Terroristen den Krieg".

Vergeltung?

‚Es wird nie mehr sein wie früher' - das ist wohl einer der meist gebrauchten Sätze in diesen Tagen. Intensiv betrachten die Zeitungen, wie die Welt mit den Anschlägen von New York und Washington umgeht und welche Antwort Amerika auf ein Attentat wählen könnte, das in der Dimension für die USA unvergleichbar ist und dem bisher kein Gesicht zugeordnet werden kann. Der günstigste Fall wäre tatsächlich, wenn sich bestätigen würde, dass der saudi-arabische Multimillionär Osama bin Laden die Terroranschläge in New York und Washington in Auftrag gegeben hätte, meint der wissenschaftliche Mitarbeiter am Orientinstitut Kai Hafez in seinem Kommentar in der "tageszeitung". Denn dann hätten die USA "ein klares operatives Ziel, nämlich ihn zu verhaften und auszuschalten". Da bin Laden auch in der islamischen Welt als Extremist ohne politischen Arm isoliert ist, könne es gelingen, seiner habhaft zu werden, "ohne dass Tausende von Zivilisten unschuldig den Tod finden".

Mit dem Anschlag sei eine große Hoffnung getötet worden, so Wolfram Weimer in der "Welt": die Hoffnung "auf eine freie, sichere Welt", "auf die Humanität, auf den Glauben an das Gute". Er fordert daher eine starke Hand. Schließlich müsse die Welt wieder wissen, dass Terror und Gewalt keine Heimat haben dürften. "Wer mit Terroristen in politischer oder diplomatischer Toleranz lebt, der wird zum Apologeten der Gewalt. Und Amerika muss sich wehren dürfen, moralisch und militärisch."

Der "Tagesspiegel" mahnt zur Mäßigung. Die Vergeltung habe ihre Grenzen. "In Sachen Barbarei sind die Barbaren kaum zu übertreffen", schreibt Bernd Ulrich. "Wenn der Westen vor allem auf diesem Weg nach Gerechtigkeit sucht, droht er global in die gleiche Situation zu kommen wie Israel. [...] Der Nahe Osten wäre überall. Der Verteidigungsfall der Nato würde zum Vergeltungsfall." Ulrich hält stattdessen eine Verbesserung von Sicherheitsmaßnahmen im Inneren für einen gangbareren Weg. Darüber hinaus müsse der Westen dort mehr helfen, wo Fanatismus wächst.

Doch auch für Washington sei die Stunde der Wahrheit gekommen, meint Peter Münch in der "Süddeutschen Zeitung". Die USA müssten sich der Frage nach den Ursachen dieses Hasses stellen, "der zwar ins absolut Irrationale wuchert, dessen Wurzeln aber rational zu lokalisieren sind im nahöstlichen Konfliktfeld. [...] Die USA können diesem Hass, auch wenn sie es wollen, nicht entkommen", schreibt Münch. "Also müssen sie sich ihm stellen. Das erfordert ein neues und starkes Engagement zur Konfliktlösung in Nahost."

Europa und seine Nachbarn