Dass die USA die Terroranschläge mit massiver militärischer Vergeltung beantworten will, ist Thema für die anderen Zeitungen: "USA kündigen Militärschläge an", heißt es beim "Tagesspiegel", "Amerika ruft nach Vergeltung" bei der "tageszeitung". Nach den Nato-Staaten sicherten am Donnerstag auch Japan und Australien den USA Unterstützung für eine mögliche Militäraktion zu. "Massive Unterstützung für US-Gegenschlag - Beistand aus Peking und Moskau", berichtet die "Frankfurter Rundschau".

Neuordnung der Welt?

Viel ist in diesen Tagen von der "zivilisierten Welt" die Rede, und manch einer stellt sich die Frage, ob wohl als Gegenpart dazu mit "unzivilisiert" die arabische Welt gemeint ist. Auch die "Welt" verwendet die Trennung gerne, erklärt aber, dass sie mit "zivilisiert" ein "Bündnis mit der Mehrheit der islamischen Welt gegen den Terror" meint, nicht "des Westens gegen den Islam, der als Religion solche Terrorakte in keiner Weise rechtfertigt".

Wird die Welt neu geordnet? Was ist damit anzufangen, dass ein Fidel Castro "Schmerz und Trauer" empfindet, ein Muammar el Gaddafi "humanitäre Hilfe" anbietet, dass Peking und Moskau ihren Beistand bekunden? Terror verbindet, meint die Daniel Brössler in der "Süddeutschen Zeitung", die Wucht der Detonation habe auch jene erschüttert, die aus Washingtoner Sicht Schurken seien. Doch dass die Läuterung von Dauer ist, glaubt der Kommentator nicht. "Aus Betroffenheit entsteht noch kein Bündnis". Einfach werde es nicht sein, wenn Russland sich auf die Seite der Nato stellt, denn "Russland wird in seinem Tschetschenien-Krieg nun westliche Solidarität im Kampf gegen die tatsächliche oder vermeintliche ‚islamistische Bedrohung Europas' erwarten". Und China würde womöglich unter dem Schirm einer Anti-Terror-Allianz "noch unbekümmerter Minderheiten unterdrücken". Alles in allem sei bisher lediglich "eine Allianz der Angst" zu erkennen.

Der Bündnisfall der Nato

Die Nato hat die Attentate in den USA als einen "bewaffneten Angriff" auf eines ihrer Mitglieder gedeutet und nach Artikel V des Nato-Vertrages den Bündnisfall erklärt. Es gehe nicht alleine um militärische, sondern um psychologisch Hilfe, um den "Schulterschluß", meint Karl Feldmeyer in der "Frankfurter Allgemeinen". "Der Wert des Bündnisses steigt für die Amerikaner, auch wenn sie allenfalls logistische Hilfe der Verbündeten brauchten, falls Amerika sich zu militärischen Aktionen gegen Ziele in der islamischen Welt, zwischen dem Mittelmeer und Afghanistan, entscheiden sollte. Dass die Bündnispartner mit den sehr begrenzten militärisch-technischen Fähigkeiten ihrer Streitkräfte dabei kaum substantielle Hilfe leisten könnten, wissen die Amerikaner nur zu genau." Auch das "Handelsblatt" vermutet, dass der Beistand der Nato eher im logistischen Bereich liegt. "Die Amerikaner benötigen die militärische Hilfe der Europäer nicht."

Der Beistand, der jedem angegriffenen Nato-Land in jenem Artikel V des Nato-Vertrages garantiert ist, setzt voraus, dass Angreifer und angreifendes Land bekannt sind. Darauf weist Martin Winter in der "Frankfurter Rundschau" hin und meint, solange "das nicht der Fall ist, hätte sich die Nato hüten müssen, einen Blankobeschluss zu fassen, der sie im schlimmsten Fall in einen Krieg nach dem Muster US-amerikanischer Vergeltungslogik zieht". Außerdem, so Winter, würde der Nato-Beschluss nicht die Fragen nach den Mitteln im Kampf gegen den Terrorismus beantworten. Indem der Beschluss vorgaukle, dass es militärische Lösungen geben könnte, "verschiebt er die Perspektiven in der Diskussion über die Auseinandersetzung mit dem Terror in die falsche Richtung. [...] Wer den Terror aus der Welt schaffen will, der muss nicht nur seiner Führer und Kommandos habhaft werden, der muss vor allem seine politischen, sozialen und finanziellen Quellen zum Versiegen bringen."