"We'll track them down", stammelte Präsident George W. Bush in seiner ersten Reaktion auf den Terroranschlag gegen die USA - und wer von uns hätte dies nicht für eine jener zwangsläufig fällen, aber sachlich hohlen Erklärungen gehalten, die Politiker eben in solchen Situationen abgeben müssen? Und wer hätte nicht im Stillen bei sich gedacht: Die Täter finden sie doch nie heraus? Aber nun scheint, wenige Tage nach dem Anschlag ziemlich klar zu sein, wer die individuellen Täter waren, wo sie studiert, wo sie ihre mehr oder weniger echten Pilotenscheine gemacht haben. Teils kamen sie aus Hamburg…

Was ist da los? Warum, wenn man die Leute so schnell namhaft machen kann, konnte man sie nicht vorher erkennen und an der Tat hindern? Der Kriminalist, das ist der erste Teil der Antwort, kennt keinen besseren Zeugen als die Tat selber. Das aber ist auch die Begrenzung seiner Arbeit: Ohne Tat keine Zeugen - also keine Tatzeugen. Oder banaler ausgedrückt: Hinterher ist man gescheiter - aber eben auch bereits gescheitert, jedenfalls, fas die Vorbeugung betrifft. Bei Verbrechen der Art von New York und Washington haben wir es aber kriminologisch mit einer neuen Besonderheit zu tun: Der "normale" Verbrecher will mit der Tat für sein weiteres Leben etwas erreichen - und sei es "nur" die Befriedigung seiner Mordlust. Er will also auch weiterleben. Das heißt: Die Fahndung und die Bestrafung haben einen nachträglich-vorbeugenden Sinn - zum Zwecke der General- und der Spezialprävention. Der Täter der Ersttat soll von einer neuerlichen Tat abgeschreckt werden - alle anderen potentiellen Täter sollen erfahren: So wie dem geht es auch euch, wenn… Aber was, wenn der Attentäter gar nicht weiterleben will, so wenig wie allfällige Nachahmer? Dann kommt es zu dem Paradox, dass die Fahndung so makaber leicht fällt, wie im gegebenen Fall (weil die Attentäter, nachlässig mit ihrem weiteren Schicksal umgehend, sich sogar mit ihren Klarnamen auf die Passagierlisten buchen lassen) - dass aber der Gedanke an eine Bestrafung mangels (lebenden) Angeklagten völlig sinnlos wird. Und deshalb der Druck. anderweitig einen Gegenschlag zu führen. Hoffentlich nichts ins Leere, ins Anonyme - und in die Irre.

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