BELLETRISTIK

Das surrealistische Gedicht; hrsg. von Heribert Becker, Edouard Jaguer und Petr Král; Verlag/Versand Zweitausendeins, Frankfurt a. M. 2001; 1888 S., 50,- DM

Es ist eines der schönsten Bücher, das - jenseits der Privatdrucke und Preziosen kleiner Pressen - in Deutschland nach dem Krieg gemacht wurde: der wollüstig rote, mit schimmerndem Komtesse-Leinen überzogene Zauberwürfel Das surrealistische Gedicht, erstmals aufgetaucht im Gefolge der großen Surrealismus-Ausstellung des Museums Bochum 1978. Jetzt ist diese grandiose, laut Verlagstrompete "umfangreichste Sammlung surrealistischer Poesie, die je erschienen ist", wieder da. Noch einmal haben die drei Herausgeber das Album um 200 Autoren erweitert (die mit Texten, Bio- und Bibliografie vorgestellt werden), auf nunmehr 1888 Seiten: Surrealistische Poesie aus allen Teilen der Welt; denn die befreite Fantasie kennt viele Sprachen, aber keine Grenzen.

Oskar Pastior entdeckt Gellu Naum; Gedichte; Europa Verlag, Hamburg 2001; 94 S., 24,50 DM

Selbstverständlich finden wir auch seinen Namen im kleinen, dicken, roten Surrealismus-Brevier: Gellu Naum. Den Kosmopoliten aus Rumänien, Jahrgang 1915, zog es Ende der dreißiger Jahre nach Paris, zu André Breton und Victor Brauner. In seine Heimatstadt Bukarest zurückgekehrt, floh er bald vor dem sozialistischen Surrealismus in die rumänische Provinz, ins Dorf Comana, wo er heute noch lebt. Der geniale Berliner Sprachkünstler Oskar Pastior hat hierzulande immer wieder für Naums doppel- bis hundertbödiges Werk geworben. Jetzt erschien, unter dem albernen Titel Oskar Pastior entdeckt Gellu Naum, ein exzellent gemachter Auswahlband- alte und neu übersetzte Texte (siehe auch rechts, "Das Gedicht").

Benedikt Erenz

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