Gott ja, Olivenöl verkaufen sie gern und überall. Oft sogar in einem schicken Ambiente. Ich kenne so eine Boutique in Straßburg. In einer Gasse an der Place Gutenberg, direkt neben einem erstklassigen Weinhändler. Das Öl wird ähnlich angepriesen wie Wein. Von zwei Dutzend verschiedenen Ölmühlen kann man dort Öle kaufen, aus Frankreich, Italien, Spanien, Griechenland, Marokko, Israel, auch Olivenpaste, schwarz und grün, sowie alles, was sonst mit südfranzösischer Küche zusammenhängt.

Das Gerücht verdichtete sich, wurde konkret, dann wusste jemand die Adresse: in Forcalquier.

Sensationell war hier bisher nur der Friedhof

Ich war vor vielen Jahren mal in Forcalquier. Es war kalt und trostlos. Giono-Land, mit Husaren auf den Dächern und mageren Ziegen auf den Wiesen. Wollte ich nicht begraben sein, sagte ich damals, obwohl sie einen sensationellen Friedhof haben. Denkmalgeschützt, mit haushohen Buchsbaumhecken, kantig geschnitten. Außerdem ist Forcalquier weit weg. Egal, von wo man kommt, es ist zu weit.

Aber nicht mehr so trostlos. Die Popularität der Provence hat auch hier für Aufschwung gesorgt. Kneipen und Kleinrestaurants jede Menge. Oben, hinter der Kirche fünfzig Meter bergauf, sitzen Touristen und Handwerker an langen Tischen. Aber es sind zwei Kneipen, die ihre Gäste fast mit Tuchfühlung auf der Straße unterbringen. Links gibt's riesige Salatschüsseln und Pommes, während rechts ...

Also: Der Laden heißt Oliviers & Co. Wie in Paris, Brüssel und Straßburg. Die Boutique mit den Olivenprodukten ist tatsächlich schick zu nennen. Sie erreichen das heute durch ein mattbraunes Tütenimage, den Verzicht auf ordinären Kunststoff, durch dekorative Blechdosen und -kanister. Alles aufgeräumt und ziemlich teuer. Man kennt das von ökologischen Tee- und Kräuterstuben. Die erste Kartoffelboutique ist wahrscheinlich längst auf dem Kurfürstendamm installiert.

Nachdem wir an einem Tisch mit verschwitzten Gipsern unsere Plätze gefunden hatten, studierten wir den Speisezettel. Es gab eine salzige Méridiane und eine süße. 78 Franc die eine, 45 Franc die andere. Zusammen bildeten sie das Menü des Tages. Sonst gab es nichts. Rotwein 98 Franc die Flasche, Weißwein 120. Aber da stand noch etwas auf dem Zettel. Das war der Name des Kochs, der sich die Rezepte ausgedacht und die Menüs zusammengestellt hatte. Der heißt Jean-Marie Meulien.