Von Joseph Conrad über Carl Schmitt zu Don de Lillo waren die Intellektuellen des 20. Jahrhunderts besessen von der reinen Gewalt, der Gewalt als symbolischer Geste. Das heißt nicht, dass sie den Terrorismus etwa gebilligt hätten. Manche haben ihn, verblendet von den Ideologien, gerechtfertigt, aber in ihrer Mehrzahl haben sie ihn abgelehnt. Doch verstanden, das heißt ausgemalt, erklärt und begründet haben sie den Terror, bis hin zu seiner reinen, anarchistischen Form der sinnlos in einer willkürlich gewählten Menschenmenge explodierenden Bombe. Das muss man sich in Erinnerung rufen, wenn jetzt, in verständlicher Empörung, der Anschlag auf der World Trade Center, das Pentagon für unbegreiflich und vollkommen neu gehalten wird. Das ist er nicht. Wir haben uns längst mit ihm vertraut gemacht, als Denkmöglichkeit haben ihn Filme wie "Independence Day", Romane wie "Mao II" oder Carl Schmitts "Theorie des Partisans" längst etabliert.

Trotzdem ist eine Tat dieses Ausmaßes in der Wirklichkeit etwas ganz anderes als ihre intellektuelle Simulation. Man wird auch nicht sagen können, dass die Tat herbeiphilosophiert und herbeiphantasiert wurde. Der tatsächliche Terror speist sich aus anderen Quellen, aus tatsächlichem Hass, tatsächlicher Not, tatsächlichem Fanatismus. Die Drehbuchschreiber von Hollywood sind keine "Schreibtischtäter". Nicht jeder Gedanke schreitet zur Tat, aber jede Tat lässt sich denken, und meistens schon lange zuvor. Die Menschheit kennt sich gut. Sie hat das Böse oft genug hervorgebracht. Sie sollte jetzt nicht so tun, als wäre sie verblüfft.