Patentrezepte stoßen auf großen Zuspruch, weil sie so einfach sind und deshalb vielen einleuchten. Doch bei näherer Überprüfung halten sie meist nicht, was sie versprechen. Das gilt auch für die Idee der Tobin-Steuer, um die sich derzeit bei Globalisierungskritikern innerhalb und außerhalb der Parlamente und sogar im Regierungslager die Anhänger sammeln. Immerhin ist die Gefolgschaft inzwischen so einflussreich, dass sich die Finanzminister der Europäischen Union auf ihrer bevorstehenden Tagung mit dem Vorschlag befassen werden.

Mit der Besteuerung der weltweiten Devisenumsätze könnten - so glauben Sympathisanten - die ungezügelten globalen Finanzmärkte unter Kontrolle gebracht werden. Damit könnten, so meinen sie, verheerende Finanzkrisen, die ganze Volkswirtschaften ins Elend stürzen, verhindert werden.

In der Tat wirkt das Konzept, das der amerikanische Ökonom James Tobin schon vor annähernd dreißig Jahren entwickelt hat, auf den ersten Blick bestechend: Eine Steuer von nur einem zehntel bis zu einem viertel Prozent auf sämtliche Devisenumsätze, die weit über eine Billion Dollar pro Tag ausmachen, würde kurzfristige Währungsspekulationen unrentabel machen. Langfristige Investitionen und der Welthandel, die auch nach Ansicht Tobins den Wohlstand fördern, würden dagegen - wegen der geringen Höhe der Steuer - nicht beeinträchtigt. Dass durch die Steuer zwei- oder sogar dreistellige Milliardenbeträge eingenommen und zur Entwicklungshilfe verwendet werden könnten, macht für viele Sympathisanten die Lösung noch attraktiver - auch wenn dies der Zielsetzung Tobins widerspricht, der nicht zusätzliche Einnahmen gewinnen, sondern ausschließlich die Finanzmärkte stabilisieren will.

Abgesehen von dem ganz praktischen Problem, dass die Tobin-Steuer überhaupt nur funktionieren könnte, wenn sich weltweit alle Staaten daran beteiligten, gibt es starke Gegenargumente. So ist zweifelhaft, ob tatsächlich eine Stabilisierung der Finanzmärkte erreicht würde: Je geringer die Devisenumsätze sind, desto stärker wirken sich einzelne Geschäftsabschlüsse aus - die Kursschwankungen könnten somit sogar zunehmen. Große Finanzkrisen kann die Tobin-Tax ohnehin nicht verhindern, weil auch eine Steuer dann nicht die Flucht aus einer Währung verhindert. Und es ist keinesfalls auszuschließen, dass der wohlstandsfördernde Handel mit Gütern beeinträchtigt würde. Zudem kann gerade Entwicklungsländern der Zugang zu Kapitalquellen erschwert werden.

Bestenfalls wäre die Tobin-Steuer ein Placebo. Es gibt kein Patentrezept, um die Finanzmärkte zu stabilisieren. Dafür ist eine Vielzahl von mühseligen Schritten notwendig - so müssten alle Staaten die internationalen Finanzinstitute auf einheitliche Standards verpflichten. Fazit: Wie nationale Marktwirtschaften braucht die globalisierte Marktwirtschaft einen Ordnungsrahmen. Die Tobin-Steuer gehört nicht dazu.