Auch die amerikanischen Kapitalmärkte scheinen das Vertrauen in eine positive Wirtschaftsentwicklung verloren zu haben. Im derzeitigen Börsenumfeld drängen sich Investitionen nicht gerade auf. Anleger, die dennoch US-Aktien kaufen wollen, sollten daher Werte der Old Economy bevorzugen. Experten setzen ihre Hoffung vor allem in die amerikanischen Exportindustrie. Dazu gehören beispielsweise Boeing, General Electric und Microsoft. "Bisher belastete die Dollarstärke die Auslandserträge", so Steffen Wauer, US-Aktienexperte bei der Deutschen Bank. Weil sich der Euro in jüngster Zeit allerdings erholt hat, dürften Exporte aus den Vereinigten Staaten billiger werden.

Gute Nachrichten sind selten, aber es gibt sie: Der Flugzeughersteller Boeing hat beispielsweise bereits seine gesamte Jahresproduktion verkauft. Ähnlich gut sieht es für das nächste Jahr aus. Für 2002 sind bereits Aufträge über mehr als 80 Prozent der Jahreskapazität eingegangen. Zusätzliche Erträge sind möglich, wenn die US-Regierung ihr Raketenabwehrprogramm realisiert. Da Boeing zugleich im Militärbereich engagiert ist, kommt das Unternehmen in die engere Wahl der Lieferanten.

In schwachen Konjunkturzeiten weitgehend stabil sind internationale Finanzkonzerne wie die Citigroup. Sowohl im Investment Banking als auch im Aktiengeschäft belegt die Bankengruppe weltweit Spitzenplätze. Auch der Ölmulti Exxon Mobile steht nach Ansicht von Analyst Steffen Wauer verhältnismäßig sicher da. Das Unternehmen ist von der Erschließung und Exploration bis zum Vertrieb an den Tankstellen praktisch an der gesamten Wertschöpfungskette beteiligt und profitiert zudem von den hohen Ölpreisen.

Die Empfehlungen der Deutschen Bank werden allerdings nicht von allen Experten geteilt. Johannes Gerlinger vom unabhängigen Vermögensverwalter Xenos hält Aktien wie Boeing und Citigroup zwar für fair bewertet. Dennoch rät er, besser keines der genannten Unternehmen zu kaufen. "Wir befinden uns ganz klar in einer Rezession", sagt Gerlinger. Anleger sollten daher abwarten, bis der Markt wieder positivere Signale gibt.

Auch Rolf Kieckebusch, Geschäftsführer der Kirix Vermögensverwaltung, ist nicht optimistisch. Er hat seinen Kunden zuletzt vor allem eines empfohlen: Aktien zu verkaufen und stattdessen in sichere Anlagen wie Geldmarktfonds und Renten zu investieren. Durchschnittlich 60 Prozent der Anlagesumme seiner Kunden sind auf diese Weise sicher geparkt. Für die nächsten zwölf Monate sieht Kieckebusch wenig Grund, diese Strategie zu ändern. "In nächster Zeit wird es unter starken Schwankungen seitwärts gehen", sagt er.

Von den einstigen Überfliegern an der High-Tech-Börse Nasdaq hat sich der Vermögensverwalter längst getrennt. Infrastrukturanbieter wie JDS Uniphase, Juniper und Cisco haben ihre prognostizierten Wachstumsraten nicht erreicht und sind nun hoch verschuldet. Technologiewerte wie Intel und AMD beobachtet Kieckebusch skeptisch. Sie lieferten sich einen Preiskampf, der die Margen zu stark schmälert. Chancen räumt er hingegen Nischenanbietern wie Siebel Systems ein. Der Softwarehersteller sei Weltmarktführer für Kundenbindungssoftware.

Auf der sicheren Seite sind Anleger aber vor allem mit Blue Chips wie Coca-Cola und Gilette. Die Produkte dieser beiden Unternehmen werden schließlich immer gekauft - auch dann, wenn die Konjunktur schlecht läuft.