die zeit: Herr Harnoncourt, im nächsten Jahr werden Sie als zentraler Mozart-Dirigent zu den Salzburger Festspielen zurückkehren, nachdem Sie vor fünf Jahren sehr rabiat, von heute auf morgen, jegliche Zusammenarbeit beendet hatten. Wie ist Ihr Sinneswandel zu erklären?

Nikolaus Harnoncourt: Das war keine große Affäre. Peter Ruzicka, der neue künstlerische Leiter, hat mich gefragt, ob ich möchte.

zeit: Streben Sie eine kontinuierliche Arbeit in Salzburg an?

Harnoncourt: Wenn ich nur käme, um eine einzige Sache zu machen, würde ich die auch nicht machen.

zeit: Haben sich denn die Bedingungen entscheidend geändert in Salzburg, seit Sie sich im Unfrieden zurückgezogen haben?

Harnoncourt: Ich hoffe, dass sie sich ändern. Es ist mir nicht egal, in welchem Kontext ich arbeite. Ich bin nicht überall und einfach so engagierbar. Als ich 1991 zu den Festspielen kam, hatte ich das Gefühl, dass das gut passt, später dann nicht mehr. Die Festspiele haben ihr Profil über sehr genau überlegte Fragen nach der Opernregie entwickelt. Und die Musik ist dann dazu gemacht worden. Die war auswechselbar. Um sie ging es nicht. Ich gehe jetzt davon aus, dass die neue Direktion auch neue Konzepte hat.

zeit: Peter Ruzicka, der neue künstlerische Leiter der Festspiele, hat einen Don Giovanni mit Ihnen angekündigt, zwei weitere Mozart-Opern, La Clemenza di Tito und Figaro, sollen folgen. Es hat viele überrascht, dass Sie mit dem Regisseur Martin Kusej zusammenarbeiten werden. Der stellt die Stückkonventionen ja stark infrage.