Gleich muss Dave Eggers kommen. Wenn er kommt. Das ist nicht so sicher. Denn das hier könnte auch eine Inszenierung sein, die der Schriftsteller für eine neue Geschichte braucht. Er soll komisch sein, sagt man. Er hat die Telefonnummern seiner Freunde in seinen Roman geschrieben - die echten. Und für ein Magazin, das er einmal geleitet hat, täuschte er den Tod eines Schauspielers vor, um zu sehen, wie die Öffentlichkeit reagiert.

Das Best Western Hotel in Philadelphia ist ein Betonkasten aus den siebziger Jahren mit abgewetztem Teppichboden und einer Bar, in der sieben Fernseher gleichzeitig laufen. Es ist zwölf Uhr mittags. Gleich muss Dave Eggers kommen. Wenn er kommt.

Dave Eggers ist 31 Jahre alt und hat ein Buch geschrieben, das allein in Amerika 400 000-mal verkauft wurde, dort seit über einem Jahr auf den Bestseller-Listen steht und von den Kritikern gefeiert wurde wie kaum ein anderes Buch eines Debütanten. Jetzt ist es auf Deutsch erschienen.

Der Titel ist so ungewöhnlich wie Eggers' Art, Verabredungen zu treffen. Ein herzzerreißendes Buch von umwerfender Genialität erzählt Eggers eigene Geschichte, die damit beginnt, wie er am Bett seiner krebskranken Mutter sitzt und versucht, ihr Nasenbluten zu stillen, was nicht gelingt. Die Nase blutet und blutet, die Mutter weigert sich, ins Krankenhaus zu gehen, Eggers sitzt da, wechselt die Tücher und überlegt, wie lange es dauert, bis so ein menschlicher Körper leer ist, ob es angemessener ist, in dieser Situation den Fernseher auszuschalten, und was er auf die Todesanzeige schreibt: Zu Hause verstorben? Eggers ist zu diesem Zeitpunkt 21, sein Vater ist vor fünf Wochen gestorben, er hat zwei ältere Geschwister, Beth und Bill, und einen achtjährigen Bruder Toph, dessen Sorgerecht er nach dem Tod seiner Mutter bekommt. Die Geschwister ziehen nach San Francisco, wo Eggers das Satiremagazin Might gründet und sich als alleinerziehender Vater durchschlägt, hin- und hergerissen zwischen der Hoffnung, im Bett einer schönen Frau zu landen, und der Sorge, dass Toph in der Zwischenzeit vom Babysitter umgebracht werden könnte.

Es ist fünf Minuten nach zwölf. Durch die Glastür der Best-Western-Hotel-Bar kommt ein Mann, der einen Packen Papier unterm Arm trägt und aussieht wie Dave Eggers auf dem Klappdeckel seines Buches, nur kleiner und blasser. Er hat dunkle Locken, die störrisch von seinem Kopf abstehen, trägt eine dunkelgrüne Jeans, ein helles Hemd und zerkratzte Schuhe aus gutem Leder.

Hi, ich bin Dave, sagt er, guckt sich nach einem Tisch um und fragt freundlich, ob es okay sei, wenn er während des Interviews esse. Er ist überhaupt nicht merkwürdig, sondern sehr nett. Eggers erzählt, dass er mit zwölf Jahren anfing, Tagebuch zu führen. Er habe immer nur Stichworte notiert, keine ganzen Szenen, denn die behalte er im Kopf.

In Journalismuskursen habe er später alles über das Schreiben gelernt, Creative Writing-Kurse dagegen hasst er. Dann entdeckt er auf dem Restauranttisch das deutsche Rezensionsexemplar seines Buches, auf dessen Schutzumschlag eine einzelne Ravioli abgebildet ist. Die Ravioli war eine Idee der Droemer-Marketing-Abteilung, die sich etwas Originelles einfallen lassen wollte, um das Buch in Deutschland zu verkaufen, aber bei Eggers kommt der Humor der Deutschen nicht so gut an.