Der Vorsitzende des britischen Ärzteverbandes BMA, John Chisholm, war ernsthaft entrüstet. Die Art und Weise, pöbelte er, wie die Regierung Mittel gegen die Impotenz rationiere, sei "irrational und potenziell grausam". Wie wahr. Der zuverlässige Weg zur staatlich gesponserten Erektion führt in England nur über den Psychiater: Auf die Diagnose "schwerer Stress" folgt Hilfe.

Bei sparsamen Gesundheitsministern naht nun unerwartet Rettung. Joseph Disa vom Memorial Sloan-Kettering Cancer Center fand die Lösung in den Füßen. Dort nämlich entdeckte er den Ersatz für operativ gekappte Lustnerven. Diese gravierende Nebenwirkung erleiden manche Patienten, wenn sie sich wegen einer Wucherung die Prostata entfernen lassen. Mithilfe von Fußnerven verkabelt Doktor Disa das erektile Organ neu, und fortan dringt das Lustsignal wieder durch.

Der Eingriff nutzt natürlich dem Briten mit gesunder Prostata nichts.

Vielleicht empfiehlt der Doktor demnächst beiläufig eine kleine Tour in die ehemaligen Kolonien. Zwar verordnen indische Heilkundige bei erektiler Dysfunktion gerne Shilajit, eine Art Asphalt in Tablettenform, aber der Effekt war offenbar weniger überzeugend als bei Viagra. Der indische Mann blättert für die Westdroge auf dem Schwarzmarkt astronomische Summen hin.

Noch dieses Jahr wollen mehr als ein halbes Dutzend indischer Firmen billige Viagra-Kopien auf den Markt werfen. Der dürftige indische Patentschutz macht's möglich - und reisefähige Briten glücklich.

Aber für schwache Herzen ist es einfach zu heiß in Bombay. Jetzt nimmt möglicherweise die Diagnose "Bluthochdruck in der Lunge" explosionsartig zu.

Londoner Ärzte vom Hammersmith Hospital entdeckten, dass eine doppelte Dosis Viagra bei zehn ihrer Patienten einen zu hohen Druck in der Lunge erheblich senkt. Bleibt die Frage, wie in Zukunft ernsthaft Lungenkranke mit der Nebenwirkung ihrer Therapie fertig werden sollen.