Vielleicht sind unsere Kunden zu gut erzogen. Bisher wollte jedenfalls niemand Basar bei uns spielen, sagt Angelika Plickert. Die Chefin des Reisebüros an der Hamburger Rothenbaumchaussee hat in den fünf Wochen nach dem Fall des Rabattgesetzes noch nicht mit ihrer Klientel feilschen müssen.

Das liegt vielleicht auch daran, dass in den Katalogen wegen der Euro-Preise im Moment alles so billig aussieht.

Etwas differenzierter stellt sich die Lage bei einer großen Reisebürokette dar, die in mehreren Berliner Stadtteilen Filialen unterhält: Während auf dem Kurfürstendamm im gutbürgerlichen Charlottenburg die Listenpreise widerspruchslos gezahlt würden, verrät eine Angestellte, versuchten die Kunden in ärmeren Vierteln wie Neukölln oder Wedding jetzt verstärkt den Reisepreis zu drücken. Doch sie beißen auf Granit, denn die Geschäftsleitung der Kette untersagte ihrem Personal, auf das Feilschen einzugehen.

Die offizielle Begründung kommt vom Deutschen Reisebüro und Reiseveranstalter Verband (DRV): Reisebüros sind keine Händler, sondern Vertreter und dürfen ihren Kunden keine Nachlässe auf die veröffentlichten Preise der Veranstalter geben.

Die Realität sah allerdings bereits vor dem Fall des Rabattgesetzes anders aus: Gute Kunden, in erster Linie Firmen, aber auch viel reisende Privatleute, werden schon lange mit Preisabschlägen - im Branchenjargon' Kickbacks genannt - oder kleinen Zugaben bei der Stange gehalten. Das können zum Beispiel kostenlose Transfers von der Haustür zum Frankfurter Flughafen und zurück sein, wie sie der Bensheimer Reisebürochef Gerhard Knappe seiner Kundschaft angedeihen lässt. Mehr ist aber bei der Standardware, die im Reisebüro verkauft wird, nicht drin. Nur etwa ein Prozent vom Umsatz bleibt einer Agentur als Rendite. Das sind bei einem Reisepreis von 999 Mark keine 10 Mark. Wer davon noch etwas an seine Kunden verschenkt, riskiere den betriebswirtschaftlichen Selbstmord, wie der DRV in drastischen Worten mitteilte. Preisnachlässe können wir uns nicht leisten, sagt die Hamburger Reisebürochefin Angelika Plickert. Die Lage ist ohnehin nicht rosig.

Ganz im Gegensatz zu den Tourismuskonzernen, die zumeist prächtig verdienen und sich einen heftigen Verdrängungswettbewerb um die Kunden liefern. Sie könnten die neue Rechtslage nutzen, wie Kerstin Heinen, Sprecherin von Thomas Cook (Neckermann/Condor) bestätigt: Wir prüfen, ob die Karstadt-Kundenkarte künftig auch in unseren eigenen Reisebüroketten wie Holiday Land, Karstadt/Hertie-Reisebüros, Reise-Quelle eingesetzt werden kann.

Mit ihrer Marktmacht könnten Konzerne wie Thomas Cook, TUI oder Rewe (DER, LTU, ITS) dank neuer Kundenbindungsprogramme unabhängige Reisebüros und mittelständische Veranstalter zu Tante-Emma-Läden der Branche degradieren. Im Wettlauf der Kundenkarten und Rabatte wären sie chancenlos.