Wie jeder Tyrann hat auch Baabu klein angefangen. Und wenn die Macht zum Greifen nah ist, muss die Tarantel Maariya ihr bibberndes Männchen nach oben zwicken. Danach geht alles wie von selbst. Baabu ist zwar dumm, aber lernfähig

bald schon lispelt er den Demokratie-Jargon, den jeder Potentat kaut, wenn er an Terror denkt. Wole Soyinka, Nigerias Literatur-Nobelpreisträger, wollte nicht bloß die Wirren seiner Heimat spiegeln, wo er sein neues Stück King Baabu als mobiles Volkstheater inszenierte (nun auf Tourneestation im Düsseldorfer Forum Freies Theater).

Sein folkloristisch verputzter Baabu mit seiner tanzenden Bananenrepublik könnte von überall eingereist sein - er ist ein Platzhalter, eine zur Kenntlichkeit verzerrte Idealkopie des fidelen Schlächters. Soyinkas großer Diktator steht im Dreieck von Shakespeares Macbeth, Jarrys Ubu Roi und der Weltgeschichte. Dieses Dreieck entfesselt Regisseur Soyinka dermaßen zum bimmelnden Triangel, dass man nicht alle Groteskwitz-Gags versteht. Da geht's uns wie Baabu, der am Joke vom "Frieden der Paviane" ("Pax Baabunia") verzweifelt. Auf einmal dröhnt Totenstille, unter Folter stirbt jedes Gelächter, auf diesen Moment hin ist King Baabu komponiert. Pointe zum Schluss: Bevor den Wüterich die Konterrevolution stürzt, reißt es ihm die Augen aus dem bekifften Kopf - nach einer Überdosis Nashornpulver als finaler Sexdroge. Komm, süßer Tod!