Natürlich ist es altbacken, bei einer Fotoausstellung zu fragen: Was wollen uns diese Bilder sagen? Aber die von Sonja Braas und Katharina Bosse fordern es heraus. In Glückstadt hängen sie, im Palais für aktuelle Kunst (bis zum 30. September), das ganze Haus hat der Kunstverein mithilfe der DG Bank für sie freigeräumt. Braas' Bilder brauchen Raum, denn sie sind plakativ, einen Hauch großspurig, was auch an der Technik liegt, die die 33-Jährige verwendet. "Diasec" heißt eine momentan im Trend liegende Methode der Verschmelzung von Bild und Plexiglas, die den Tiefeneindruck verstärkt. Sonja Braas spielt mit dem 3-D-Effekt, nutzt seine Nähe zum Kitsch. Ihre Urwälder sehen aus wie naive Hinterglasmalerei, manierlich äst darin ein Reh. Nur wer den Bildern (zu) nahe tritt, erkennt, dass sie reale mit künstlicher Landschaft kombinieren - wo hört Natur auf, wo fängt Attrappe an? Vor Katharina Bosses Porträts fragt man sich Ähnliches: Räkelt sich da eine perfekt geschminkte Frau oder doch nur eine Gummipuppe? Unter dem kalten Blick der gebürtigen Finnin wirken die Menschen, aufgetakelt mit falschem Tigerfell und echtem Husky, etwas stupid. Sie berühren einen nicht wie die Drag Queens der Nan Goldin, sie sind einfach da. Was also wollen uns diese Bilder sagen? Die Trennschärfe zwischen Wirklichkeit und fake verschwindet.

Keine ganz frische Erkenntnis.