Die Debatte um die New Economy bekommt in den Vereinigten Staaten ungewohnte Wortführer: die Kartellwächter. Am schrumpfenden Markt für Computer-Hardware beginnen Hewlett-Packard und Compaq gerade eine Charmeoffensive, um Marktanalysten von ihrem bevorstehenden Zusammenschluss zu überzeugen. Doch bei einer Umfrage des Wall Street Journal unter Analysten kam heraus, dass nur die Hälfte von ihnen an das Zustandekommen der Fusion glaubt - wegen schwerer Wettbewerbsbedenken diesseits und jenseits des Atlantiks.

Das heiß umkämpfte Kabelnetz von AT&T - das größte auf dem amerikanischen Kontinent - hat nun zwei offizielle Bieter: Comcast und den Internet- und Medienriesen AOL. Wettbewerbshüter indes sollen schwerwiegende Bedenken haben. Besonders originell: dass Bill Gates und sein Softwareriese Microsoft rabiat Lobbying gegen ein Zusammenlegen der AOL- und AT&T-Netze betreiben.

Denn Microsoft steht selbst nach wie vor im Schussfeld der Wettbewerbshüter: Das amerikanische Justizministerium zog zwar zum Wochenende ein paar Anklagepunkte zurück und will auf die angedrohte Zerschlagung des Riesenkonzerns verzichten - aber nach der Ankündigung fielen die Microsoft-Aktien, weil jetzt erst recht ein rabiates Regime droht. "Es könnte darauf hinauslaufen, dass ein Gericht sehr lange sehr detailliert darüber wachen wird", glaubt zum Beispiel Albert Foer, Präsident des American Antitrust Institute. Viele in der Branche gehen davon aus, dass Microsoft unter der Aufsicht der Ämter zu einer Art staatlich reguliertem Monopol wird: Aufsicht über die Preise des Betriebssystems, Zugang von Konkurrenten zu den technischen Feinheiten des Windows-Betriebssystems und freie Platzierung von Werbung und Programmen auf der Oberfläche von Windows. Das wäre kein Novum in der US-Geschichte: Auch IBM wurde einst peinlich genau überwacht, damit es seine Vormachtstellung am Computermarkt nicht ungebührlich ausnutzen könnte.