Unter den vielen melancholischen oder ärgerlichen Kommentaren zur Abschaffung des Speisewagens durch die BAHN, die in den letzten Wochen in den Zeitungen rangierten, stammt der intelligenteste von Peter Scholl-Latour aus dem Spitzenblatt Welt am Sonntag.

Der berühmte Korrespondent erzählt von seinen vielen schönen Erlebnissen in den Speisewagen der Dritten Welt. Deswegen habe er sich, um einer guten Sache zu dienen, für die Bahn-Werbefilme von Wim Wenders engagiert.

Scholl-Latour habe dafür sehr viel ausgezeichneten Bordeauxwein trinken müssen, weil Wenders die Szene, in der Scholl-Latour am Wein nippt, so oft habe wiederholen lassen. Und jetzt das! Er werde schon von den Nachbarn in seiner Promi-Mietskaserne angepöbelt (Und Sie haben für dieses Unternehmen auch noch Reklame gemacht!), schreibt Scholl-Latour.

Er ist letztlich darüber erzürnt, dass der Werbefilm unrealistische Verhältnisse gezeigt und ihn, Scholl-Latour, zu einem Manfred Krug der Bahnwerbung gemacht hat. Und das praktisch ohne Honorar! Eine Speisewagenenttäuschung auf der ganzen Linie. Auch ich habe der Eisenbahn gedient, auch ich wurde leider, wie Scholl-Latour, nicht reich dabei, und auch meine Beziehung zum Speisewagen endete mit einer Enttäuschung. Eines Vormittags im Juli kaufte ich in den Markthallen von Narbonne Fisch, legte ihn in den Kühlschrank des Hotelbetreibers und schlief dann ein wenig. Am späten Nachmittag ging der Zug zurück nach München. Ich holte den dicken Plastikbeutel mit dem herrlichen Fisch und legte ihn in den Kühlschrank des Speisewagens. Ich erinnere mich genau, wie ich durch die Wagen eilte, von Abteil zu Abteil, und den staunenden Reisenden mitteilte, dass es heute nicht abgepackte, fade Fertiggerichte, sondern frischen, köstlichen Fisch in meinem Speisewagen geben solle. Die Reisenden blickten mich mit großen Kinderaugen an. Toll! So was!

Als ich dann anfangen wollte, den ersten Gästen den herrlichen Fisch zuzubereiten, musste ich feststellen, dass ich im Hotelkühlschrank aus Versehen nach der weißen Plastiktüte mit den übrig gebliebenen Croissants gegriffen hatte, die der geizige Hotelier am nächsten Morgen heimlich hatte aufbacken wollen. Anstatt über Fisch verfügte ich über circa 50 Stück gekühltes Buttergebäck.

Das war der Knackpunkt. Ich war eine ganze Stunde im Zug herumgelaufen, hatte allen Reisenden mit dem Fisch den Mund wässrig gemacht und konnte dann nur lappig kalte Croissants vorweisen. Klassiker! Ich wurde beschimpft. Typisch Bahn!, schrien die Reisenden. Dienstleistungswüste! Verdammter Lügner! Ich war fertig. Ich ließ die Reisenden schreien, bot die kalten Croissants an (geschenkt wollten die sie dann doch haben, die Idioten!) und trank den ganzen miesen, sündteuren Wein aus. Ich hatte es nur gut gemeint. Ich verließ den Speisewagen enttäuscht (mit einem entsetzlichen Kater) und wurde erfolgreicher Dichter. Für einen Detlev-Buck-Werbefilm für die Abschaffung des Speisewagens wäre ich eigentlich die Idealbesetzung.