Dies ist die außergewöhnliche Erfolgsgeschichte eines Brasilianers in Tokyo, die auf einer einfachen Formel beruht: japanische Arbeitskraft plus westliches Management. Sie begann vor zwei Jahren, als die polyglotte Familie eines Pariser Automanagers mit ungewöhnlicher Mission nach Japan aufbrach.

Der damals 45-jährige Carlos Ghosn - ausgesprochen: Gonn - hatte sich als Kostensenker bei französischen Konzernen international einen Namen gemacht.

Zudem brachte der brasilianisch-französische Staatsbürger Erfahrungen in mehreren Kulturkreisen mit: Familiär im Libanon verwurzelt, wurde Ghosn in einer französischen Jesuitenschule erzogen und sammelte in Brasilien, wo er geboren wurde, wichtige Arbeitserfahrungen.

Nun also sollte der Multikulti-Kostenkiller den schwer defizitären Autohersteller Nissan retten, bei dem Renault kurz zuvor die Aktienführerschaft übernommen hatte. Der Auftrag galt als heikel, zumal es keine Vorbilder gab. "Japan lag vor uns wie ein weißer Fleck auf der Landkarte", erzählt Ghosn von seiner Ankunft in einem ihm und seiner libanesischen Frau unbekannten Land.

Doch es dauerte nicht lange, und der brasilianische Missionsträger war ein japanischer Held. Schon kennen achtzig Prozent der Bürger seinen Namen. Trotz seiner unspektakulären Erscheinung schmückt Ghosn regelmäßig die Titelseiten von Illustrierten und Wirtschaftsmagazinen, Fernsehsendungen reißen sich um die generalstabsmäßig geplanten Auftritte des Topmanagers. Immer wieder fragt ihn das Publikum: "Was würden Sie tun, wenn Sie japanischer Regierungschef wären?" Dabei spricht Ghosn nur wenige Worte Japanisch.

Überraschende Erfolge für Ausländer sind in Japan indes nichts Neues. In der homogenen japanischen Gesellschaft ist es nicht schwer aufzufallen. Bisher zog es eher Außenseiter nach Nippon - im Sumo, dem traditionellen Ringkampf, reüssierten beispielsweise Ureinwohner aus Hawai. Für Spitzenkräfte aus der Wirtschaft war das Land dagegen nie attraktiv. Ihr Einkommen liegt hier nach wie vor weit unter Weltniveau. Erst seit große japanische Konzerne von ausländischen Konkurrenten übernommen werden, zahlen diese auch Spitzengehälter. Ghosn kam als einer der Ersten in den Genuss eines solchen Vertrags.

"Nissan ist noch kein Erfolg"