Der Mythos: Je kleiner die Klasse, desto besser der Unterricht. Eltern und vor allem Lehrer sind nicht davon abzubringen, dass 30 Schüler in einer Klasse weniger lernen als 15. Weniger Schüler, das heißt auch weniger Störung, mehr Disziplin und bessere Betreuung der einzelnen Schüler.

Die Wirklichkeit: Tatsächlich gibt es keinerlei Zusammenhang zwischen Klassengröße und Lernleistung. Egal, ob 40 oder 14 Schüler, sie lernen darum nicht mehr und nicht weniger. Das haben inzwischen mehrere Studien belegt.

Die jüngste davon ist ein erster Ergebnisbericht über die Mathematikleistung in 8. Klassen, der jetzt in der Universität Koblenz/Landau unter der Projektleitung von Andreas Helmke vorgelegt wurde. Der Befund ist - mal wieder - eindeutig: "Die in einer Klasse erzielte Leistung hängt nicht davon ab, ob es sich um eine kleine oder eine große Klasse handelt." Dieses Ergebnis sei "keineswegs überraschend, sondern entspricht genau dem, was praktisch alle großen Bildungsforschungsprojekte der letzten Jahrzehnte ebenfalls gefunden haben". Die Leistung der Klasse wird vielmehr vor allem von einer effizienten Klassenführung und der Qualität des Unterrichts bestimmt. Eine große Rolle spielen aber auch die Lernbereitschaft der Schüler, deren "Bildungsnähe" und die häusliche Lernumwelt. Mit anderen Worten: Die soziale Herkunft entscheidet erheblich mit über den Lernerfolg in der Schule. Die Klassengröße aber spielt dabei keine Rolle.

Das ergaben auch zwei weitere Untersuchungen jüngeren Datums, die unter anderem von Detlef Rost an der Universität Marburg gemacht wurde. Die Befunde sind auch hier eindeutig: Die kognitive Leistungsfähigkeit variiert nicht mit der Klassenstärke, in kleineren Klassen wird nicht milder oder strenger als in größeren Klassen geurteilt, und auch die individuelle Beurteilung durch die Lehrer hängt nicht von der Klassengröße ab.

Wenn das allen nicht erst seit heute klar ist, warum hält sich dieser Mythos dann so hartnäckig? Die Bildungsforscher haben dazu mehrere Vermutungen.

Detlef Rost meint: "Egal, wie groß die Klasse ist, es wird zumeist nach dem gleichen Muster unterrichtet, das heißt zum größten Teil im Frontalunterricht. Dabei ist es unerheblich, ob 15 oder 30 Schüler zuhören."

Subjektiv empfinden die Lehrer aber den Unterricht in großen Klassen als viel anstrengender. Sie bereiten sich besser vor und führen die Klassen effektiver und straffer. Damit kompensieren sie den Nachteil der größeren Klassen.