die zeit: Sie sind Stressforscher. Warum studieren Sie ausgerechnet Paviane?

Robert Sapolsky: Sie sind uns physiologisch und psychologisch sehr ähnlich.

Und sie leben im Paradies: Fast keine Fressfeinde, und sie arbeiten nur drei Stunden pro Tag für ihre Mahlzeiten. So haben sie viel Zeit, um sich gegenseitig zu stressen. Das ist wie bei uns. Wir bekommen die Krankheiten, die vom Stress herrühren, auch nicht durch eine harsche natürliche Umwelt, sondern durch Psychostress.

zeit: Warum untersuchen Sie nicht gleich Menschen?

Sapolsky: Wenn man sieht, dass Gestresste krank werden, weiß man nie, ob das ein direkter Effekt ist oder ob der Stress etwa zu mehr Alkohol- oder Zigarettenkonsum führte. Paviane rauchen und trinken nicht, alle essen und trainieren gleich.

zeit: Was machen denn die Paviane so den ganzen Tag, um sich zu stressen?

Sapolsky: Oh, die sind richtig gemein zueinander. Wenn du als hochrangiges Tier einen schlechten Tag hast, nimmst du einem Unteren das Essen weg, verjagst ihn ständig, sobald er sich gerade eben gesetzt hat, oder beißt ihn - und fühlst dich besser und er schlechter. Das ist wie bei Schülern oder Managern - die Hierarchie ist wichtig.