"Im Gefängnis sollen die gleichen Bedingungen wie draußen herrschen." Er muss die Ausbildung außerdem auf die Mentalität der Gefangenen zuschneiden. Wo sonst Lehrlinge in der Werkstatt "üben, bis sie es können", sagt Fichtner, erarbeitet der Auszubildende im Gefängnis einen "Themenbereich". Zum Thema "Thermisches Trennen" etwa sucht der Gefangene Michael S. ein Metall aus, aus dem er zwei Stoffe durch Erhitzen trennt. Dasselbe probiert er auch an anderen Materialien. Die Ergebnisse diskutiert er anschließend mit dem Ausbildungsleiter. "Fortschrittlich" nennt das Fichtner und hält es sogar für nachahmenswert für die Lehre in normalen Betrieben.

Doch die Haft erschwert das Lernen: Der Ausbilder kommt zum Gefangenen in die Werkstatt, die auf dem Gefängnisgelände untergebracht ist. Die Werkstätten sind hier zwar alle sehr groß, die Geräte und Maschinen jedoch veraltet. In der Druckerei der Hamburger Vollzugsanstalt steht noch eine betriebsbereite Druckmaschine der Marke Heidelberger aus der Nachkriegszeit, die regelmäßig gewartet wird. In einem normalen Handwerksbetrieb wäre sie ein Museumsstück.

Hinzu kommt, dass die Ausbilder schon lange keinen normalen Betrieb mehr von innen gesehen haben. "Als verbeamtete Ausbilder nach über 20 Jahren im Gefängnis, haben sie den Bezug zur beruflichen Wirklichkeit vollends verloren", sagt Jürgen Beuck. Die sehe anders aus als in einer Gefängniswerkstatt. Beuck: "Der Leiter unserer Bäckerei hat für ein paar Monate draußen gearbeitet. Der kam mit völlig neuen Ideen zurück."

In der Vollzugsanstalt Fuhlsbüttel sind derzeit 450 Gefangene untergebracht.

Die Anstaltsleitung bestimmt nach der Länge der Haftzeit und der Persönlichkeit der Inhaftierten, wer von ihnen eine Ausbildung beginnen kann.

Zurzeit sind es nur 26. Von den Schlossern brechen drei von vier Gefangenen die Ausbildung ab, bei den Tischlern sind es zwei von dreien. "Trotzdem ist es Pflicht der Justiz, die Gefangenen fit zu machen für den Berufsalltag", sagt Beuck, der angesichts dieser Zahlen nicht so leicht aufgeben will. "Um Gefangenen zu zeigen, wie man ohne Straftaten leben kann, muss man sie qualifizieren."

Eine Ausbildung ist zwar keine Garantie für den Ausstieg aus dem kriminellen Milieu, doch die Statistik zeigt, dass Haftentlassene mit einer Berufsausbildung seltener rückfällig werden als jene ohne abgeschlossene Lehre: immerhin um zehn Prozent.