Ungünstiger als zurzeit können für Lebensversicherungsunternehmen die Kapitalmarktverhältnisse nicht sein: am Rentenmarkt sind die Zinsen auf Rekordtief, am Aktienmarkt die Kurse. Je niedriger die Zinsen sind, umso größere Schwierigkeiten haben die Unternehmen, ihre Renditeversprechen von sieben bis acht Prozent zu erfüllen. Schließlich müssen sie das Geld an den Anleihemärkten verdienen - oder an den Aktienmärkten. Aber auch da ist im Moment wenig zu holen. Vor allem jene Firmen, die erst relativ spät in größerem Umfang in Aktien investiert haben, müssen unter Umständen sogar Verluste verbuchen. Das aber bedeutet, dass sie, sofern vorhanden, stille Reserven auflösen müssen, um den Versicherten die gewohnte Verzinsung zu gewähren. Oder sie müssen die Zinsen senken - was tödlich ist im harten Wettbewerb.

Von der gegenwärtigen Konstellation profitieren, zu diesem Ergebnis jedenfalls kommt Moody's Investors Service in einer Studie über die deutschen Lebensversicherer, die großen, stark kapitalisierten Unternehmen, die, häufig zum Verdruss der Verbraucherschützer, Gewinne lieber in ihren Bilanzen versteckt haben, anstatt sie als Überschussbeteiligung an ihre Versicherten auszuschütten. Dazu gehören nach Einschätzung des deutschen Branchendienstes Map-Report unter anderem Allianz, Hamburg-Mannheimer, Victoria und auch die Volksfürsorge.

Wettbewerbsprobleme dürfte hingegen die von den Verbraucherschützern häufig ob ihrer Ausschüttungspolitik gelobte Hannoversche Leben haben, wenn es am Kapitalmarkt nicht zu einer schnellen Trendwende kommt. Laut Map-Report ist die Nettorendite des norddeutschen Lebensversicherers im vergangenen Jahr von 7,06 auf 5,20 Prozent abgestürzt.