Der Parkplatz vor den grauen Mauern des Hauses Ljubjanka Nummer 12 ist für die Wichtigen reserviert: Mercedes-Limousinen parken da, schwarz, mit getönten Scheiben. Im Supermarkt Siebter Kontinent drängen sich die Kunden, teuer gekleidete Menschen, an den leuchtenden Auslagen. Zwischen dem Marmorboden und der Kassettendecke dieses Kontinents fehlt es an nichts, was es auf den anderen fünf zu kaufen gibt: französische Foie gras, amerikanischer Whisky, südafrikanische Weintrauben, indischer Basmati-Reis, australische Wachteleier. Verführerischer könnte die Tarnung nicht sein.

Das Gebäude gehört dem russischen Geheimdienst, dem ehemaligen KGB, der jetzt Föderaler Sicherheitsdienst heißt: FSB. Es ist ein Hochhaus aus den dreißiger Jahren, ein Riesenkomplex mit mehreren Hausnummern. Das Erdgeschoss vermietet die Sicherheitsbehörde an den Supermarkt. Zehn Meter neben dem Ladeneingang führt eine kleine Tür in eine Säulenhalle. Gäste haben hier nur Zutritt, wenn der Geheimdienst sie befragen, der Freiheit berauben oder sie - wie uns - nachhaltig beeindrucken will. Ein Offizier in grauem Zivil begrüßt die geladenen Ausländer, Journalisten und EU-Vertreter mit Angenehm, Igor und geht voran in den Paradesaal der russischen Spezialdienste. Hier beginnt eine ungewöhnliche Führung - durch das Museum des KGB.

Das Museum überrascht mit fast sakraler Sentimentalität. Vorbei an einem Marmorbehälter mit KGB-Wappen und sorgfältig arrangierten Plastiknelken führt ein roter Läufer zu einer Art Altar vor buntem Glas. Er birgt die wichtigste Reliquie der Jelzin-Epoche: die Verfassung von 1993. Igor streicht mit der Hand über den Ledereinband. Hier verabschieden wir unsere verdienten Mitarbeiter und empfangen hohe Gäste. Auch zwei ehemalige CIA-Direktoren waren schon unter den Besuchern. Was sie zu sehen bekamen, kannte niemand besser als sie selbst: Viele Exponate der Ausstellung stammen aus der Produktion der US-Spionageabwehr. Igor lacht und sagt: Dafür müssen wir dem amerikanischen Steuerzahler dankbar sein.

Wir sehen: Sprengsätze in einer Cola-Dose, Schirme mit messerscharfer Klinge, Feuerzeuge mit Kamera. In den Museumsvitrinen liegen die Trophäen aus einem halben Jahrhundert Spionagekrieg. Ein besonders wertvolles Exemplar ist ein unscheinbarer Ast. Spione hatten ihn in den siebziger Jahren an einen Baum in der Nähe einer sowjetischen Militärbasis geklebt. Das hohle Stück Holz ist gespickt mit Abhörelektronik.

Beziehungsschutt, über den der russische und der amerikanische Präsident hinweglächelten, als sie sich in diesem Jahr auf dem G-8-Gipfel in Genua trafen. Wladimir Putin leitete selbst den FSB, bevor er 1999 Regierungschef wurde. Auch George W. Bush wusste, wie ein Geheimdienst von innen aussieht - von seinem Vater, dem früheren Präsidenten und ehemaligen CIA-Direktor.

Nun versprechen Bush und Putin, der Spionomanie Einhalt zu gebieten, damit sie sich bis zum Winter über Raketenabwehrschirme und Abrüstung einigen können. Davon unbeeindruckt betrachten 52 Prozent der Russen Amerika noch als nicht freundschaftliches Land. Die russischen Zeitungen berichten über ausgewiesene Diplomaten und verhaftete US-Agenten. Vor wenigen Monaten erst musste sich die amerikanische Regierung wegen eines Lauschtunnels rechtfertigen, den ihre Maulwürfe in den siebziger Jahren unter der russischen Botschaft in Washington gegraben hatten

und auch im KGB-Museum wird jeder Zweifel an amerikanischer Hinterlist ausgeräumt.