Hochs und Tiefs, Vor- und Rückwärtsbewegungen kennt die Technologiebranche nicht nur von der Börse. Auch in ihren Entwicklungslabors gehört die Rolle rückwärts stets zum technischen Fortschritt. Zum Beispiel in der Telematik. Diese Zunft tüftelt intensiv daran, das Auto in ein fahrbares Informations- und Unterhaltungszentrum zu verwandeln (siehe Stichwort). Doch nun stehen alle vor einem Riesenproblem: Die Hersteller von Radios und CD-Wechslern, Handys und Navigationsgeräten, Bordcomputern und Funksystemen sowie jene, die dem Fahrer mit Service helfen wollen, entwickelten mehr Apparaturen und Funktionen, als ein Fahrer bedienen kann. "Das ist alles noch nicht richtig ausgegoren, zu wenig anwenderfreundlich", urteilt Achim Wittmann, Autoexperte der Landesbank Baden-Württemberg (LB-BW) in Stuttgart.

Um ein Chaos im Cockpit wie auf der Straße zu verhindern, erinnerten sich die Telematiker in ihrer Not an eine bewährte Technik aus der Zeit des Dampfradios: den simplen Drehknopf. Mit der Wiederentdeckung des Rades als Dreh- und Angelpunkt der Telematik lassen sich viele Dinge regeln, ohne dass der Fahrer vom Straßenverkehr abgelenkt wird. Je einfacher Telematik bedient werden kann, umso sicherer wird der Massenerfolg fürs Internet auf Rädern.

"Wir werden das Ablenkungspotenzial reduzieren", bekräftigt daher Pkw-Chef Jürgen Hubbert von DaimlerChrysler. Der Konzern entwickelte für die S-Klasse als Bedienelement ein Multifunktionslenkrad - das fünfte Rad am Wagen sozusagen.

Auch BMW knüpft an die Anfänge der Funk- und Fernsehära an. Sage und schreibe 700 bis 900 verschiedene Funktionen enthält die Telematik der Münchner samt Internet-Anschluss für die neue 7er-Reihe. Bisher stehen 200 bis 250 zur Wahl. Ein Gutteil des opulenten Menüs wird über einen Dreh- und Druckknopf serviert. Dieser Controller befindet sich auf der mittleren Armauflage und reagiert auf den Fingerdruck des Fahrers.

Das haptische Feedback, wie das in der Produktinformation heißt, ist die Rückbesinnung auf eine schlichte menschliche Tugend: den Tastsinn. Die Steuerungsbefehle werden nach dem Schema der Windrose für je vier Haupt- und vier Nebenmenüs mal nach vorne und hinten geschoben, mal nach rechts und links gedreht oder diagonal bewegt. Bei bestimmten Einstellungen ruckelt der Knopf, oder er sperrt und signalisiert den Fingern, dass sie am Ziel sind.

Blind bedienbar wie eine Getriebeschaltung, betont BMW. Der Name des Konzepts: iDrive, "i" wie "intuitiv" (siehe Interview).

"Beim Autofahren sind zwei Sinne bisher wenig belegt", erkannten Siemens-Ingenieure, "der fünfte Sinn und das Gehör." Für Fingerspitzen und Ohr entwerfen Technologie-Spezialfirmen wie die Filderstädter CAA AG das passende ergonometrische Konzept aus einem Guss. "Nur ihr individuelles Design unterscheidet die Autohersteller", betont ein CAA-Entwickler. Doch vieles, was die Anbieter vollmundig versprechen, ist noch Zukunft. Dazu gehört die Spracherkennung für komplexe Vorgänge wie das Bearbeiten und Adressieren von E-Mails auf Befehl.