In seiner Regierungserklärung im Bundestag sicherte Gerhard Schröder Mittwoch Morgen den USA "jede gewünschte Hilfe" zu. Er versprach auch, die Verfolgung der Drahtzieher dieser niederträchtigen Tat zu unterstützen. Partei- und Fraktionsvorsitzende seien sich einig in der Solidarität mit den USA.
Er verurteilte die Anschläge in den USA aufs Schärfste. Sie seien eine "Kriegserklärung gegen die gesamte zivilisierte Welt" und stellten die Grundregeln der Demokratie in Frage. Die Sicherheit sei "in unserer Welt" nicht teilbar. Deswegen müssten die Werte der zivilisierten Welt gemeinsam verteidigt werden. Schröder sagte bis auf weiteres alle geplanten Reisen ab, darunter auch seine Teilnahme am Stockholmer Treffen von Mitte-Links-Regierungschefs aus aller Welt.

Auch Bundespräsident Johannes Rau ruft zur Solidarität auf: "Das kann nicht dabei bleiben, dass wir dem Terror absagen. Wir müssen jetzt versuchen, den Opfern des Terrors nahe zu sein", sagte er im Deutschlandfunk. Die Deutschen hätten den Amerikanern "so viel" zu verdanken. Rau rief zum Abbau von Hass und zur Ächtung von Gewalt auf. Man müsse von dem Gegeneinander wieder zu einem Miteinander kommen.

Mittwoch Morgen tagte auch der Bundessicherheitsrat, den Schröder einberufen hat. Im Außenministerium wurde ein Krisenstab eingerichtet. Die Opposition solle regelmäßig über Erkenntnisse der Sicherheitsbehörden informiert werden.

Friedbert Pflüger (CDU), der Vorsitzende des Europa-Ausschusses des Bundestages, befürchtet, dass der Terroranschlag kein Einzelfall bleiben wird. Eine Sichherheitsstruktur gegen derartige Anschläge müsse geschaffen werden, sagte er im ARD-Morgenmagazin. Die Geheimdienste müssten gestärkt und der Dialog der Kulturen mit den gemäßigten Kräften des Islam verstärkt werden. Er sagte: "Der Kampf der Zukunft" seien nicht die "Panzer an der Elbe, nicht die großen nuklearen Auseinandersetzungen, sondern diese Art feigen, dreckigen Terrorismus."

Deutschland hat seine Sicherheitsmaßnahmen entscheidend verschärft. Bundesinnenminister Otto Schily sagte zwar heute vor der Franktionssitzung der SPD, es bestehe für Deutschland und Europa absehbar keine unmittelbare Gefahr. Trotzdem habe man die Maßnahmen vor allem an den Flughäfen hochgefahren. Er schlug ein Treffen der europäischen Innenminister noch in dieser Woche vor - es wird wahrscheinlich am Donnerstag stattfinden. Auch Bundesverteidigungsminister Scharping sieht keine akute Gefährdung, hat jedoch angeordnet, die Luftabwehr zu verschärfen. Es solle sichergestellt werden, im Falle eines Falles schnell reagieren zu können.

Die Flaggen aller öffentlichen Gebäude wehen auf Halbmast. Schock und Ratlosigkeit prägen die Stimmung im Bundestag. Über alle Fraktionsgrenzen hinweg herrscht Einigkeit: Jetzt müsse man zusammenhalten und Solidarität mit dem amerikanischen Volk zeigen. Der Fraktionsvorsitzende der Union Friedrich Merz hat die Anschläge als Angriffe des Bösen schlechthin, Menschenverachtung und Barbarei bezeichnet. Niemand habe so viel Grund, Solidarität zu zeigen wie Deutschland. Jeder parteipolitische Streit habe zurückzustehen. FDP-Fraktionschef Wolfgang Gerhardt erklärte, alle freiheitliche Gesellschaften spürten, welchen Bedrohungen sie ausgesetzt seien. "Heute sind wir alle Amerikaner" sagte SPD-Fraktionsvorsitzender Peter Struck heute Morgen im Bundestag. "Die Bilder dieser nie geahnten Brutalität werden uns nicht mehr loslassen." Die CDU-Vorsitzende Angela Merkel sprach gestern von einem "Anschlag auf die Freiheit". "Es ist wichtig, dass alle, die in der Bundesrepublik für die Sicherheit verantwortlich sind - an der Spitze der Bundeskanzler - jetzt wissen, was zu tun ist, und sie tun es auch", sagte Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin (SPD).

Die Berliner und Hamburger Parteien haben beschlossen, den Wahlkampf auszusetzen. Das Jüdische Museum bleibt vorerst geschlossen. Volksfeste wurden abgesagt. Die Bundestagsparteien und Gewerkschaften haben zu einer Solidaritätskundgebung in Berlin aufgerufen. In vielen Städten wurden Trauerfeiern, -gottesdienste und Gedenkminuten abgehalten