Gemein ist beiden Äußerungen, dass sie Kampagnen initiieren, die Arbeitsuchende als Faulpelze stigmatisieren, welche den arbeitenden Rest der Gesellschaft als "Sänfte" (MdB Erich Riedl, 1981) mißbrauchen.

Faul aber ist in Wirklichkeit die Kampagne, faul sind die Politiker, die sie anstoßen. Das zeigt eine Studie von drei Forschern vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WBS), Abteilung Arbeitsmarktpolitik und Beschäftigung, die die deutschen "Faulheits"-Debatten seit den 70er Jahren untersucht haben.

Sie kommen zu klaren Aussagen: Hinsichtlich der Denunzierung von Arbeitslosen kann man "von einem arbeitsmarktpolitischen Reflex-Automatismus sprechen: Immer wenn Regierungen ein bis zwei Jahre vor der Wahl stehen und die Konjunktur lahmt, wird die Alarmglocke 'Faulheitsverdacht!' geläutet, auch wenn es keine objektiven Anhaltspunkte dafür gibt, dass die Arbeitslosen fauler geworden sind." Bedenklich dabei ist, dass diese Kampagnen anscheinend auf die Stimmung in der Bevölkerung durchschlagen: ein hoher Prozentsatz Befragter stimmte jeweils der Aussage zu, viele Arbeitslose wollten gar nicht arbeiten.

Der historische Rückblick ist aber nur die Einleitung der Untersuchung, die sich im Kern den Sanktionen gegen Arbeitslose (den so genannten "Sperrzeiten") in Deutschland und im internationalen Vergleich widmet. In diesem Vergleich schneidet die Bundesrepublik nicht gut ab. Die Vorschriften dieses Landes sind streng und unflexibel, die Sanktionen gleichen Keulenschlägen. Dabei ist bekannt, dass "negative Anreize nicht zu nachhaltigen Verhaltensänderungen führen".

Zum Fordern gehört Fördern. Die Forscher empfehlen, positive Anreize zu schaffen und anhand von individuellen Eingliederungsplänen nicht nur die Pflichterfüllung der Arbeitsuchenden zu überprüfen, sondern auch die der Arbeitsvermittler. In Dänemark und Großbritannien ist dies bereits Praxis.

Weiter sprechen sie sich dafür aus, den Arbeitsuchenden mit entscheiden zu lassen, wie die Fördermittel verwendet werden. Drittens müssten die Entscheidungsspielräume der einzelnen Arbeitsämter erweitert werden. Trotz der angestoßenen Organisationsreform 'Arbeitsamt 2000' sei der Handlungsspielraum der Vermittler noch "durch viel zu viele Regeln eingeschränkt".

Viertens stellen sie fest, dass bei der viel beschworenen Flexibilisierung des Arbeitsmarktes auch die Unternehmen durchaus noch über ungenutzte Handlungsmöglickeiten verfügen.