AUS DEM INHALT:

Jens Jessen juvenalisch:
Nicht jeder Gedanke schreitet zur Tat, aber jede Tat lässt sich denken

Julia Hellmich:
Ambivalente Faszination auf elf Quadratkilometern
Das Nürnberger Reichsparteitagsgelände ist das größte Bauwerk der Nationalsozialisten und ein schwieriges Erbe für die Stadt


KULTURKALENDER:
Uraufführungen
Deutschsprachige Erstaufführungen
Premieren
Ausstellungseröffnungen
Lesungen
Festivals
Geburts- und Gedenktage

Jens Jessen juvenalisch:
Nicht jeder Gedanke schreitet zur Tat, aber jede Tat lässt sich denken

Groß sind Erschrecken und Staunen der Menschen, die bemerken, dass sie die Bilder des Terrors in New York schon kennen; nämlich aus dem Kino, der Kunst und Literatur. Die Unterhaltungsindustrie des Landes hat die Gräuel schon vorwegphantasiert, von denen es jetzt heimgesucht wird. Und nicht nur die amerikanische Unterhaltungsindustrie: Essayisten, Philosophen, Dichter haben den Terror schon scharf ins Auge gefasst, bevor er sich in seiner ganzen Bosheit entfaltete.

Von Joseph Conrad über Carl Schmitt zu Don de Lillo waren die Intellektuellen des 20. Jahrhunderts besessen von der reinen Gewalt, der Gewalt als symbolischer Geste. Das heißt nicht, dass sie den Terrorismus etwa gebilligt hätten. Manche haben ihn, verblendet von den Ideologien, gerechtfertigt, aber in ihrer Mehrzahl haben sie ihn abgelehnt. Doch verstanden, das heißt ausgemalt, erklärt und begründet haben sie den Terror, bis hin zu seiner reinen, anarchistischen Form der sinnlos in einer willkürlich gewählten Menschenmenge explodierenden Bombe. Das muss man sich in Erinnerung rufen, wenn jetzt, in verständlicher Empörung, der Anschlag auf der World Trade Center, das Pentagon für unbegreiflich und vollkommen neu gehalten wird. Das ist er nicht. Wir haben uns längst mit ihm vertraut gemacht, als Denkmöglichkeit haben ihn Filme wie "Independence Day", Romane wie "Mao II" oder Carl Schmitts "Theorie des Partisans" längst etabliert.