Der Präsident und ich heizen im Lexus durch die Norddeutsche Tiefebene. Typ LS 430, Sonderausstattung "President Package". Fünf Meter lang, zwei Tonnen schwer, 160 Riesen teuer, schwarz wie Präsidententinte. Oberklasse-Premium-Segment, wie man sagt. Ein wirklich fettes Teil. A 27 zwischen Bremen und Cuxhaven, Sonntagmorgen. Lassen wir die acht Pötte mal singen. 200 fährt man mit einer Hand. Mit dem Knie. Mit der Zunge! Dank degressiver Servolenkung - je schneller, desto geradeaus. Das Abo auf die linke Fahrspur ist im Kaufpreis inbegriffen. Verschlafene Sonntagsfahrer fliehen entsetzt auf den Randstreifen. Danach sehnen sich aufgebohrte GTIs und 240-PS-Audis. Hol mal den Testblock raus, Präsident: Fürs Überholprestige geben wir ihm eine Zwei plus.

Der Präsident ist auf den Beifahrersitz geklettert und fingert auf dem Touchscreen der Navigationseinrichtung rum. Sucht seinen Wohnort. Findet seine Straße nicht. Vier minus, notiert er. Der Tacho zeigt 240. 245. 250. Jau! Diesem Augenblick hatte er entgegengebebt, 250 Sachen, zum ersten Mal im Leben! Gemerkt hat er nichts. Ein Polo bei 80 fährt sich dramatischer. Note: Zwo.

Lexus testen, hatte ich gesagt. Er hatte enttäuscht geguckt. Hatte eher an Bugatti gedacht, Ferrari. Mindestens Lotus. Ähnlich konsterniert würden Präsidenten deutscher Wissenschaftsakademien oder Abteilungsleiter blicken, wenn sie auf die Frage nach ihrem Dienstwagen hören: Lexus! Denn Lexus ist Toyota und heißt nur Lexus, weil Toyota nicht nach Premium-Segment klingt. Lexus aber klingt wie ein anatomisches Detail, eine griechische Neppinsel. Keineswegs wie Luxus. Toyota, o ja, langt hoch hinauf: LS 430 erinnert an S 430, Mercedes, S-Klasse. Soll auch. Sieht auch so aus. Bisschen knurriger das Gesicht, sonst aber so verdammt ähnlich, dass Laien hierzulande noch nie einen Lexus gesehen zu haben glauben. Ist aber auch alles wie Daimler, außer dem L im Insektengrill! Abmessungen, Motorisierung, technische Finessen vom Smart Key, den man nicht mehr aus der Jacke nehmen muss, bis zu den fernsteuerbaren Kopfstützen hinten. Selbst die albernste Mercedes-Marotte, diese fußbediente Handbremse, wurde abgekupfert. Alles Daimler, bis auf den Preis. "Man spart gegenüber der S-Klasse einen ausgewachsenen Kleinwagen", sagt Toyota.

Lassen wir die acht Pötte mal singen

Haha. Hahaha. Jede Menge Spaßiges haben sich die Toyota-Leute ausgedacht, um den Präsidenten zu unterhalten. Vorn, im Armaturenbrett, welches aber sicher nicht mehr so heißt, eher Kunststofflandschaft mit Walnusswurzelapplikationen, vorn also gibt es Lüftungsschlitze mit Luftrichtungsverstellhebelchen. Die wandern ständig wie Tiger im Zoo hin und her. "Weltneuheit", sagt Toyota. Haha. Und ein Schnüffelnäschen hat der Lexus, das riecht selbst ungewaschene Zähne in der Nebenstraße und stellt die Zufuhr kontaminierter Frischluft ein. Hihi. Wenn man die Türen anlehnt, werden sie ins Schloss gezogen. Auch wenn man das gar nicht will. Hoho. Spaßfaktor Drei plus, Präsident! Der Bordcomputer zeigt den Momentanverbrauch des Achtzylinders an. 0,3 Liter bergab! 85,2 Liter bei Vollgas! Donnerschlag! Vom 0,3-Liter-Auto zum Bergungspanzer bergauf in 6,7 Sekunden!

Seriöse Autotester bestimmen selbstverständlich auch den Aufmerksamkeitsbeiwert µ. Wir fahren nach 27374 Visselhövede. Visselhövede ist eine Kleinstadt, gleich weit entfernt von Hamburg, Bremen und Hannover, "Tor zur Lüneburger Heide". Die Gäste des Eissalons Venezia haben schon alles gesehen: Motorräder auf einem Rad, Sattelschlepper mit 100 Sachen, Zuhälterautos mit Blattgoldfelgen. Das gab jeweils µ = 10 (Standing Ovations).

Wir cruisen vorbei. Der Präsident notiert die Reaktionen. µ = 1 (Herbstblätter fliegen auf, sonst keine Reaktion). Beim vierten Versuch Kick-down, Vollgas, alle acht Töpfe jagen hoch, 6000 Touren, µ = 2,5 (Kopfschütteln, hat der Daimler-Opa Viagra eingeworfen?). Vier minus für den mickrigen Aufmerksamkeitsbeiwert. Später, als wir Eis essen, schlendern zwei Männer um das Auto. Nanu, steht ja Lexus auf dem Mercedes. Merkwürdig!