Ein paar Wochen nach Beginn des neuen Schuljahres hatten die Eltern und Schüler des städtischen Gymnasiums Bad Driburg die Nase voll. Sie schrieben "Wir wollen Englisch!" auf Plakate und zogen mit Trillerpfeifen durch die Straßen. Der Schulleiter ließ sie ziehen, und auch die Haupt- und Realschüler schlossen sich an. Es war die erste Demo, die das Städtchen im braven Ostwestfalen je erlebt hat.

"Manche Klassen hatten monatelang nur zwei statt drei Stunden Englisch", erinnert sich der Schulleiter Rudolf Wichert. Der Schule fehlte mehr als eine komplette Englischlehrerstelle. "In der Fünften musste ich gleich fünf Lehrer einsetzen - abwechselnd für je eine Wochenstunde", erzählt Wichert. Als Schulleiter hätte er eigentlich nur neun Stunden unterrichten müssen, stattdessen hat er 21 gegeben, gereicht hat es trotzdem nicht. Das Regierungspräsidium in Detmold hatte zwar eine Zusage für einen neuen Kollegen gegeben, "aber es waren einfach keine Englischlehrer auf dem Markt".

Das war 1998. Zurzeit würde landesweit nicht zu wenig Englisch unterrichtet, stellt das Düsseldorfer Ministerium für Schule, Wissenschaft und Forschung klar. Trotzdem gilt die erste Fremdsprache in Nordrhein-Westfalen als Mangelfach. Die Lehramtsstudenten werden die vielen Englischlehrer, die in den nächsten Jahren in den Ruhestand treten, nicht ersetzen.

Das Unterrichtsfach Englisch, so scheint es, wurde in den letzten Jahren ein bisschen vernachlässigt. Ausgefallene Unterrichtsstunden sind dabei nur ein Punkt auf einer längeren Mängelliste.

Die Kultusministerkonferenz wird 2003 die Englischkenntnisse von 11 000 Schülerinnen und Schülern aller Schulformen testen lassen. Konrad Schröder, Professor für Didaktik des Englischen an der Universität Augsburg, wird daran mitarbeiten und rechnet mit mäßigen Ergebnissen: "Wir haben uns allesamt in der großen deutschen Tradition des Sprachenlernens gesonnt. Das Hohelied des Gymnasiums, die deutsche Gelehrsamkeit - durch diese Vorstellungen entsteht sehr schnell ein falsches Bild." Dabei sind die Deutschen in Europa nur Mittelmaß. Doch es gibt sehr beruhigende Vergleiche: Franzosen, Spanier und Italiener sind noch schlechter (ZEIT Nr. 38/01). "Dahinter hat sich die deutsche Bildungspolitik jahrelang verschanzt", sagt Konrad Schröder.

"Thank you for your mistake"

Ausgerechnet Englisch, das längst nicht mehr als Fremdsprache, sondern als elementare Kulturtechnik wie Lesen und Schreiben angesehen wird, schneidet nicht gut ab. Schröder hat 15 Jahre lang den Bundeswettbewerb für Sprachen betreut und dabei festgestellt, dass die Teilnehmer im Englischwettbewerb "quantitativ und qualitativ schwach" sind. Und eine Studie im Auftrag des Bundesbildungsministeriums mit dem stolzen Namen Vorbereitung auf Europa durch Mobilität und Internationalisierung des Studiums hat herausgefunden, dass nur jeder zweite Studierende in Deutschland seine Englischkenntnisse als gut einstuft.