Nach den Anschlägen von New York versuchen Gutachter menschliches Leid und die Zerstörung von Gebäuden in Zahlen und Kalkulationen zu fassen. Die Münchener Rück schätzt ihre Kosten auf eine Milliarde Euro, die Swiss Re geht von 800 Millionen aus, die Allianz von 700 Millionen. Die Anschläge gelten als Kumul-Risiko, als Ballung von Personen-, Sach-, Feuer-, Haftpflicht- und Vermögensschäden.

Finanziell ist der Schaden beherrschbar; die Finanzhäuser betonen die Stärke ihrer Reserven. Die Gesamtschadenssumme schätzen Experten auf 10 bis 70 Milliarden Euro. Eine mögliche Verseuchung Manhattans durch freigesetzten Asbest aus Nachbargebäuden des World Trade Centerist dabei noch nicht berücksichtigt. Schon jetzt ist sicher, dass die Schadenssumme größer ist als bei allen vorhergehenden Terrorakten. Sie ist nur noch vergleichbar mit Naturkatastrophen. Die teuerste ist bislang mit mehr als 19 Milliarden Dollar Hurrikan Andrew 1992 in den USA.

Nach Ansicht eines Unternehmensberaters wird die Schadensregulierung ein Fall für Juristen und könnte sich über Jahre hinziehen. Weil US-Präsident George Bush den Anschlag als Krieg deklariert, könnten Versicherer versucht sein, Zahlungen zu verweigern. Nicht in allen Fällen sind Kriegsfolgeschäden durch Policen gedeckt. Die Versicherer sind dabei allerdings in einer schlechten Verhandlungsposition, denn in der Öffentlichkeit würde eine Verweigerungshaltung verheerend wirken. Denkbar sei es, dass die Zahlungen durch ein Gesetz beschleunigt werden.

Wer Ansprüche an einen deutschen Versicherer hat, kann jedoch beruhigt sein. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft weist darauf hin, dass die Kriegsklausel nur dann gelte, wenn die versicherte Person aktiv an Kriegshandlungen innerhalb der Bundesrepublik Deutschland beteiligt sei. Die Versicherungen würden also in jedem Fall zahlen.

Am schnellsten können die Angehörigen der ums Leben gekommenen Flugzeuginsassen mit einer Entschädigung rechnen. Innerhalb der nächsten vier Wochen könne Geld überwiesen werden, so eine Sprecherin der Münchener Rück. Aufgrund der vorliegenden Passagierlisten sei eine schnelle Abwicklung möglich. Die Angehörigen der durch den Zusammensturz der beiden Türme ums Leben gekommenen Menschen werden länger warten müssen, weil die Identifikation der Toten nur schwer möglich ist.

Der größte Ausgabenposten für Versicherer sind die Ansprüche aus Betriebsunterbrechungspolicen. Damit können sich Unternehmen gegen Produktionsausfälle absichern. Die Kosten tragen Erstversicherer wie die Allianz gemeinsam mit Rückversicherern wie die Münchener Rück. Weil die Risiken für Extremereignisse wie Stürme, Überflutungen oder Attentate für ein Institut allein zu hoch sind, werden sie unter bis zu 50 Unternehmen aufgeteilt. Erstversicherer errechnen den Höchstbetrag, den sie zu tragen bereit sind. Risiken, die diesen Betrag übertreffen, geben sie an Rückversicherer weiter. Nur so ist es möglich, Policen auszugeben, ohne dass es im Schadensfall zu Insolvenzen kommt.

Besonders teuer könnte es für die an der Katastrophe beteiligten Fluggesellschaften American und United Airlines werden. Die vier entführten Flugzeuge beider Luftfahrtunternehmen verursachten die Katastrophe. Beide Airlines sind mit 1,5 Milliarden Dollar pro Flugzeug gegen Kriegsrisiken versichert. Ralf Arndt von der Hannover Rück geht davon aus, dass die Deckungssumme nur für den Absturz des vierten Flugzeuges bei Pittsburgh ausreicht, weil in diesem Fall geringere Schäden entstanden. Sollten die Fluggesellschaften nach dem Verursacherprinzip zur Zahlung verpflichtet sein, hätte das horrende Verluste zur Folge.