Am 15. September 1941 reiste Werner Heisenberg gemeinsam mit Carl Friedrich von Weizsäcker für eine Woche nach Kopenhagen. Offiziell hieß es, Heisenberg solle einen Vortrag am Deutschen Kulturinstitut der Nazibesatzer halten. Doch das eigentliche Anliegen bestand darin, Niels Bohr zu treffen, den großen Mann der Atomphysik, unter dessen Fittichen Heisenbergs Karriere so glänzend verlaufen war.

Vor dem Krieg hatten die beiden gemeinsam als philosophierende Physiker ein neues Weltbild entworfen, die berühmte Kopenhagener Deutung der Quantentheorie. Jetzt standen sie im Schatten der 1939 entdeckten Kernspaltung. Heisenberg trieb eine Frage um, die er nur mit seinem Mentor erörtern zu können glaubte: Hat ein Physiker das moralische Recht oder die nationale Pflicht, an der militärischen Nutzung der Kernenergie zu arbeiten und eine Atombombe zu bauen?

Doch das Gespräch fand nicht mehr unter alten Freunden statt, sondern zwischen dem besten Kopf des Naziuranprojekts und dem dänischen "Halbjuden" Bohr in einem von Nazitruppen besetzten Land. Um nicht abgehört zu werden, machten die beiden einen Spaziergang im Freien, und es gibt weder Zeugen noch Aufzeichnungen des Gesagten. Fest steht nur, dass Bohr sehr früh entsetzt reagiert und die Unterredung nach kürzester Zeit abgebrochen hat.

Niemand weiß, was die beiden vor 60 Jahren genau besprochen haben. So bleibt nicht nur Raum für immer neue und widersprüchliche Hypothesen der Historiker, sondern auch für die Literatur. Mit großem Erfolg wird von New York bis Berlin das Theaterstück Kopenhagen des britischen Schriftstellers Michael Frayn aufgeführt, dass alle möglichen Motivationen und Missverständnisse durchspielt. Es animierte das Niels-Bohr-Institut dazu, am 22. und 23. September Wissenschaftler, Historiker und Dramatiker in Kopenhagen zusammenzuführen (www.nbi.dk/nba). Und in Bamberg werden kommende Woche über 100 Physiker, Historiker und Künstler zu dem Fachsymposium 100 Jahre Werner Heisenberg erwartet (www.humboldt-foundation.de/de/netzwerk/ veranstalt/heisenberg_prog.htm).